6 1/2 Jahre Forum:Mirke | ein Rückblick

Am 5. November 2013 fand das erste Forum:Mirke statt. Dreißig Anwohner*innen, Kreative, Interessierte und quartiersbekannte Aktive trafen sich damals im ehemaligen Wartesaal 2. Klasse in Utopiastadt um sich gemeinsam zu vernetzen und einen Raum des Austauschs für das Quartier zu schaffen. Angestoßen wurde dieser Prozess durch den Förderverein Utopiastadt, dem in dem Integrierten Handlungskonzept für die Elberfelder Nordstadt die Aufgabe erteilt wurde das Forum:Mirke zu etablieren. Schnell wurden für die Umsetzung des Forum:Mirke weitere Organisationen und Personen gefunden, die als Orgateam das Forum:Mirke bis heute am Laufen halten. In den kommenden Jahren initiiert das Forum:Mirke eine Vielzahl an regelmäßigen Treffen, spezifischen Veranstaltungen und platziert damit für das Quartier relevante Thematiken im öffentlichen Raum. Gemeinsam mit dem Inge Grau vom Organisationsteam des Forums und dem quartiersinteressierten Wuppertaler Wissenschaftler Matthias Wanner lassen wir die letzten 6 1/2 Jahren Revue passieren.

Inge Grau, Mitglied des Organisationsteams, auf ihrem Balkon | Foto von Wolf Sondermann

Der Wissenschaftler Matthias Wanner, wurde 2015 im Rahmen des Projekts »Wohlstandstransformation Wuppertal« des transzent zu einem treuen Begleiter des Forum:Mirke. Im Rahmen seiner Arbeit half er den Engagierten das Selbstverständnis des Forum:Mirke als Akteur*in zu verfassen und wurde ein Teil dessen Arbeit. Außerdem arbeitete er im Rahmen der Konstellationsanalyse des Mirker Quartiers umfassende im Quartier wirkende Prozesse auf und machte sie damit sichtbar. Inge Grau ist Mitglied des Orgateams des Forum:Mirke. Die engagierte zivilgesellschaftliche Quartiersentwicklerin übernimmt nicht nur die Koordination der einzelnen Treffen und verwaltet den Posteingang, sondern setzt sich außerdem im Rahmen den Arbeitsgruppen „A46 Still!“ und „Mobile Mirke“ für ein lebenswertes Quartier ein.

Seit Gründung des Forum:Mirke fanden bisher 32 Treffen im Quartier statt. Der ständige Ortswechsel der Treffen, bedingt durch die enormen Raum- und Veranstaltungsressourcen, ermöglichte es den Interessierten stetig neue Orte und im Quartier ansässige Organisationen genauer kennenzulernen bzw. spezifische Thematiken aufzugreifen. So traf sich die Gruppe bereits in der Alten Feuerwache, im Vereinshaus des Kultsport e. V., in der Hebebühne, im Autonomen Zentrum auf der Gathe, in der Diakoniekirche, in der Klimaschutzsiedlung Malerstraße, im Freibad Mirke, in Utopiastadt, im TalTonTeather im Bahnhof Blo und im Café ADA. Über die Jahre besuchten insgesamt 192 Interessierte die Treffen des Forum:Mirke. 114 von ihnen taten dies nur das eine mal, 29 von ihnen sind mit mehr als 5 Besuchen inzwischen zu einem festen Kern um das Forum:Mirke zusammengewachsen. Im Vergleich zu ca. 8600 Bewohner*innen des Quartiers mag diese Zahl recht klein wirken. In Bezug auf die behandelten Themen und die Art der Besucher*innen wird jedoch klar, dass das Forum:Mirke nicht nur als Nachbarschaftskonferenz wirkt, sondern vielmehr als ein Ort an dem Initiativen und engagierte Einzelpersonen sich durch ehrenamtliches Engagement über Erfahrungen austauschen und partizipative Prozesse initiieren. Das ermöglicht einen Querschnitt durch das Quartier. Allerdings ist ehrenamtliches Engagement eben nur dort möglich, wo sich Menschen diese Art der Arbeit auch leisten können.

Matthias Wanner (in der Mitte) | Foto von Wolf Sondermann

Der Querschnitt durch das Quartier äußert sich auch in den relevanten Themen mit denen sich das Forum:Mirke beschäftigt. Insbesondere die Themen »Mobilität«, in Bezug auf die zukünftige Fahrradstraße Friedrichstraße, Parkplätze und Verkehrslärm, »Soziales«, in Bezug auf Geflüchtete, Armut und Bildung, und »Wohnen« stellen einen essenziellen Bestandteil der Arbeit des Forum:Mirke dar.

Das Thema »Soziales« rückt im jüngsten Zeitraum erneut in den Fokus des Forum:Mirke. Nach einer ersten Hochphase im Rahmen der sogenannten »Flüchtlingskrise« 2014/2015, werden zum jetzigen Zeitpunkt eher die überdurchschnittliche Armut und zum Beispiel die stadtweit besonders gestiegene Altersarmut im Quartier thematisiert. Dass die Thematik tatsächlich aus dem Anliegen des Quartiers entspringt, oder aus bildungsbürgerlicher Perspektive thematisiert wird sei dahingestellt. Klar ist jedoch, dass einzelne sozialen Akteur*innen und Initiativen des Quartiers Handlungsbedarf sehen und auf dieser Basis ein Vorgehen entwickelt wird. Inge Grau und der Rest des Orgateams wünschen sich in Zukunft mehr Bottom-up-Prozesse, die aus dem Quartier wirken und arbeiten nachhaltig in ehrenamtlichen Engagement daran dies zu ermöglichen. Klar aber ist, dass das Forum:Mirke Thematiken Gehör, und damit Aufmerksamkeit verschafft. Seit Gründung wurde das Forum bisher 39 mal in expliziten Artikeln der großen Lokalzeitungen thematisiert. Gerade diese Öffentlichkeitsarbeit ist es auch, die das Forum:Mirke von anderen Vernetzungstreffen im Quartier wie z.B. dem Arbeitskreis Nordstadt unterscheiden sollte – der Plan scheint bislang aufzugehen.

Das 24. Forum:Mirke in der alten Feuerwache | Foto von Wolf Sondermann

Insbesondere die Prozesse rund um den Erhalt des Carnapsplatz, die Entwicklung der Diakonie-/Kreuzkirche und die Etablierung der Fahrradstraße Friedrichstraße wurden in den Artikeln aufgegriffen. Bei diesen Themen war das Forum öffentlich besonders vernehmbar, wurde von Politik, Verwaltung und anderen Institutionen wahr- und ernstgenommen und konnte sich als aktive Gestaltungskraft im Quartier ausprobieren und beweisen. Aber auch die Unterstützung der Stadtverwaltung, insbesondere durch das Engagement von Dieter Bieler-Giesen, verhalf dem Forum:Mirke dazu, das Quartier im Rahmen der Vielzahl an finanzierten Mitmachprojekten zu einem lebenswerteren Ort zu gestalten. Inge Grau betont, dass sich die Arbeit des Forum:Mirke seit Gründung veränderte. In den letzten Jahren wurden demnach einzelne themenbezogene Arbeitsgruppen, wie z. B. »Mobile Mirke«, »A46 Still!« oder »Solidarische Mirke« gegründet, die explizite Inhalte fokussiert bearbeiten. Die Arbeitsfortschritte werden dann im Rahmen der Sitzungen des Forums kommuniziert. Auch das Veranstaltungsformat »Stadtentwicklungs-Salon« hat sich in der Vergangenheit bewährt und soll nach den hiesigen Umständen fortgesetzt werden. Darin wurden bisher relevante Themen der Quartiers- und Stadtentwicklung im Rahmen von Präsentationen, Podiumsdiskussionen und Gruppenarbeiten erläutert und in einer weiteren Öffentlichkeit zur Debatte gestellt.

Der Carnapsplatz | Foto von Wolf Sondermann

Rückblickend hat das Forum:Mirke in seiner organisierenden Rolle eine Vielzahl an Prozessen im Quartier losgetreten. All diese Arbeit, das ist nicht zu vergessen, wird von den einzelnen Akteur*innen durch ehrenamtliches Engagement umgesetzt. Trotz alledem ist auch das Forum:Mirke auf die Mitarbeit durch Quartiersbewohner*innen und deren Themen angewiesen. Inge Grau betont noch einmal, dass die Organisationsgruppe gerne Anregungen und Themen der Quartiersbewohner*innen aufgreift. Auch eine Mitarbeit im Forum und in dem Arbeitsgruppe ist sehr willkommen. Denn hier wird gemeinsam über das Quartier gesprochen, Probleme aufgedeckt und angegangen. Falls du mehr über die Arbeit des Forum:Mirke erfahren möchtest, dann schau dir doch hier das Selbstverständnis oder hier die bisherigen Protokolle der Sitzungen an. Am besten aber besuchst du das nächste Forum:Mirke am 19. August 2020. Bei Interesse an der Zusammenarbeit zwischen Praxisakteuren aus dem Quartier und der Stadt, sowie der Wissenschaft, steht auch die monatliche Coforschungs-Runde offen. Das Format wurde 2016 von Utopiastadt und dem transzent – Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit gegründet, um praxisrelevante Forschung vorzustellen, zu diskutieren und neue Arbeiten anzustoßen.

 

Ein Kommentar

  • Gaby Schulten

    Auf dem Foto ist neben Matthias Wanner auch noch Sven Macdonald zu sehen-
    Schönen Gruß
    Gaby

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