LeMietzArt | ein Ladelokal mit Ambitionen

Die Friedrichstraße wird in Zukunft zu Wuppertals zweiter Fahrradstraße erweitert. Diese infrastrukturelle Kehrtwende wird nicht nur die Mobilität im Quartier verändern, sondern ebenso das Leben im Quartier. Tom Berger, alias LeMietz, hat sich hier im September des letzten Jahres seinen Traum erfüllt – ein eigenes Ladenlokal, in dem die vielfältigen Leidenschaften des Wuppertalers ein Zuhause finden. Irgendwo zwischen kreativem Ausleben und der Liebe fürs Detail. Wir haben Tom einen coronakonformen Besuch abgestattet, um mehr über seine Persönlichkeit, sein kreatives Schaffen im Ladenlokal und seine Vision zu erfahren.

Tom Berger vor seinem Ladenlokal in der Friedrichstraße 11 | Foto von Wolf Sondermann

Tom Berger alias LeMietz ist Wuppertaler durch und durch. Der junge Kunstschaffende tobt sich in allerlei Facetten und Lebensbereichen kreativ aus und lässt sich nicht gerne in eine einzelne Schublade stecken – Künstler, Musiker, Modemacher, Vintageliebhaber – Tom kennt da keine Grenzen. Wenn er nicht gerade Kunst schafft, arbeitet er in Teilzeit als Kindergärtner. Seit dem 05. September letzten Jahres, ist Tom außerdem Besitzer des Ladenlokals »LeMietzArt« auf der Friedrichstraße 11. Aber was passiert dort eigentlich genau?

Angesichts der vielfältigen Leidenschaften die Tom in seinem Schaffen vereint, ist es naheliegend, dass auch das Ladenlokal diese Vielfältigkeit abbildet. Hier werden unterschwellig und gekonnt verschiedene Sparten des kreativen Auslebens und der künstlerischen Muße miteinander verbunden. Neben Vintage Sofas und Apothekengläsern stehen hier Spraydosen und Kleiderständer mit eigens designten Modestücken – sowohl von Tom als auch von seinem Partner „Baron Fashion“ mit dem er den Laden betreibt. Die Spraydosen verkauft er in erster Linie, weil er sie selbst gerne nutzt, um damit kreativ zu werden. Das große Geld damit zu verdienen ist nicht in seinem Interesse. Tom geht es vielmehr darum die Infrastruktur und das Umfeld bereitzustellen, in dem sich Menschen potenziell kreativ ausleben können und somit gegenseitig inspirieren. Im Hinterhof etabliert er deswegen eine Hall of Fame, im Rahmen derer sich Sprayer*innen und solche die sich an der Spraydose ausprobieren wollen verewigen können. Aber der Laden ist weit mehr als bloßer Ort des Verkaufs. Im Zuge der letzten Monate, entwickelte sich das Lokal zu einem Raum der Möglichkeiten, der sich den Ansprüchen der Besitzer nach Lust und Laune fügt. Irgendwo zwischen der eigenen Bühne, dem heimischen Wohnzimmer und dem alternativen Coworking Space. So kann es passieren, dass man durch das Schaufenster den Schreibprozess einer seiner neuen Songs, oder auch ein Mariokart Turnier beobachten kann. Diesen flexiblen Raum, und die Art und Weise darin aktiv zu werden, möchte er in Zukunft auch weiteren Kunstschaffenden zur Verfügung stellen, und arbeitet daran einen pandemiekonforme Möglichkeit zu schaffen auch der lokalen Community Zugang zu den Räumlichkeiten zu gewähren.

All diese Ansatzpunkte, die Tom in seinem Ladenlokal verankert, entwickelten sich notgedrungen durch die Pandemie recht eigenständig und spontan. Ursprünglich sollten monatliche Partys im Laden gefeiert werden, im Rahmen derer Tom einen seiner Songs und ein dazugehöriges Modestück veröffentlicht, und so die Interessierten und Kreativen miteinander vernetzt. Die Maßnahmen verunmöglichten dieses langwierig geplante Vorhaben jedoch weitestgehend – immerhin konnten unter den Lockerungen im vergangenen Jahr einzelne kleinere Veranstaltungen stattfinden. 

Wachsende Fläche zum austoben und kreativ sein | Foto von Wolf Sondermann

»Andere wollen Jahre lang einen Laden aufmachen, ich mache das im Rahmen meiner Möglichkeiten dann einfach! Wenn ich heute die Idee hätte, dass ich hier morgen Dosen werfen veranstalte, dann werfe ich hier morgen Dosen um. Ich bin ja mein eigener Chef!« so Tom Berger

Grundsätzlich könnte hier jedoch in den nächsten Wochen auch schon wieder etwas ganz anderes geschehen. Tom lebt von seiner Spontanität und den zeitschnellen Umsetzungen seiner Ideen – Kopf in den Sand stecken kommt für ihn dabei nicht infrage. Ursprünglich entspringt die Idee für das Ladenlokal jedoch seiner Liebe für alte Möbel. Bereits vor fünf Jahren kaufte und verkaufte er Vintagemöbel aus seiner Garage. Mit dem Ladenlokal wollte er sich in dieser Hinsicht ein Stück weit professionalisieren. Nach langer Suche wird er bei einem Frisörbesuch in der Friedrichstraße auf der gegenüberliegenden Ladenlokal aufmerksam. Nach Absprache mit den Vermietenden und mehrmaligem Verschub des Einzugs aufgrund der allgegenwärtigen Pandemie, findet »LeMietzArt« hier ein neues Zuhause im Quartier. Letztendlich hatte Tom einfach Lust dieses neue Kapitel zu beginnen, auch wenn die Umstände den Rahmen, in dem er aktiv werden kann, vorerst einschränken. Für Tom ist der Laden damit mehr Hobby als Beruf. Aufgrund seiner Tätigkeit als Kindergärtner ist er demnach nicht auf den finanziellen Erfolg des Ladens angewiesen, wobei abspringende finanzielle Mittel ihm ermöglichen weitere Projekte umzusetzen.

Das Ladenlokal von außen | Foto von Wolf Sondermann

Tom hat besonders im Quartier nach einem Ladenlokal gesucht. Er wohnt seit längerer Zeit hier und genießt die gelassene und kreative Atmosphäre. Diese Gelassenheit bekommt man gerade auf der Friedrichstraße sehr gut mit. Fast schon im Minutentakt laufen Bekannte und Freund*innen am Schaufenster vorbei – selbstverständlich grüßt man sich. Aber auch von den Nachbar*innen und umgebenen Lokalen und Läden wurde er sehr herzlich Willkommen geheißen. Im Zuge der Etablierung des offenen Konzepts lernte Tom eine Vielzahl an Kunstschaffenden kennen, die zu einer Art Community zusammengewachsen sind. So entstehen stetig neue Kollaborationen, Entwürfe und neuartige Herangehensweisen an einen sich stetig erweiternden Kunstbegriff. Dadurch schafft Tom seinen ganz eigenen kreativen Hotspot im Quartier. Das Ladenlokal ist demnach als ein Raum zu verstehen, der die Möglichkeiten Toms erweitert. Er ermöglicht es ihm und weiteren Kunstschaffenden sich kreativ auszuleben, eine Bühne für ihr spontanes Schaffen darzustellen und darüber hinaus Ort der Vernetzung zu sein.

Tom wünscht sich über die persönlichen Vernetzungen im Quartier hinaus jedoch, eine Möglichkeit sich zeitschnell und unterschwellig auszutauschen. Er ist der Überzeugung, dass aus dieser Zusammenarbeit wichtige Projekte und Veranstaltungen für die Identität des Quartiers entstehen könnten.

Spraydosen auf Vorrat | Foto von Wolf Sondermann

»LeMietzArt« ist unter den hiesigen Umständen in kürzester Zeit ein etablierter Ort im Quartier geworden. Wir freuen uns auf vielfältigen kreativen Output von Tom und weiteren Künstler*innen nach dieser Pandemie und wünschen gutes Gelingen für die kommenden Monate. Falls ihr euch für das Konzept und das Ladenlokal interessiert, schaut doch hier auf der Homepage vorbei oder folgt Tom alias LeMietz auf den gängigen Social Media Plattformen [Facebook | Instagram].

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