Insel Kulturgarten | ein Ort der Kunst, Kultur und Natur verbinden soll

Der Hinterhof des ADAs ist kein Makel des Quartiers – ganz im Gegenteil. Nachdem der Hof 2008 mit Mitteln der Städtebauförderung umgebaut wurde, befindet er sich in einem ansehnlichen Zustand. Doch das Potenzial des Ortes bleibt ungenutzt. Trotz guter Ideen, die durch die Sanierung umgesetzt wurden, bleibt eine Aneignung durch die Quartiersbewohner*innen aus. Was ist ein Platz ohne Menschen die ihn beleben? Ein ungenutzter und vor allem toter Ort. Im März packte das INSEL e. V.-Team, das seit Mai 2020 Mieter der 1. Etage über dem Café ADA ist, eine Gruppe engagierter Kulturschaffender um den Regisseur Torsten Krug und die Bildende Künstlerin Zara Zoë Gayk, kurzentschlossen an und befreiten den etwas verwahrlosten Platz vom angesammeltem Müll. Dabei entstand die gemeinsame Idee, den Platz wieder lebendig werden zu lassen. Hiervon berichten Uta Atzpodien, Zara Gayk und Michael Felstau, denn der INSEL e.V. vermutet hier weit mehr Potenzial und hat im Rahmen des Bürgerbudgets 2021 einen Antrag für die Umgestaltung der Flächen eingereicht. In den kommenden Jahren könnte hier in einem partizipativen Prozess der „INSEL Kulturgarten“ entstehen – ein Projekt, das Kunst und Kultur mit Natur und Gemeinschaft verbindet. Wir haben uns mit den Akteur*innen getroffen, um mehr über das Konzept zu erfahren.

(v.l) Michael Felstau, Uta Atzpodien und Zara Zoë Gayk | Foto von Wolf Sondermann

Dr. Uta Atzpodien ist freie Dramaturgin, Kuratorin und Autorin. Mit ihrem facettenreichen Wirken ist sie vielseitig in der Stadtentwicklung Wuppertals engagiert und beschäftigt sich explizit mit den Möglichkeiten der Kunst und Kultur im Hinblick auf gesellschaftliche Transformationsprozesse. Sie ist Gründungsmitglied des )) freien netz werk )) KULTUR und Vorstandsmitglied des INSEL e. V.. Zara Gayk ist bildende Künstlerin, zweite Vorsitzende vom INSEL e. V. und des )) freies netz werk )) KULTUR. Michael Felstau ist für die grüne Stadt unterwegs. So ist es nicht verwunderlich, dass er in unterschiedlichen Vereinen und Initiativen aktiv ist, die sich alle mit der Begrünung der Stadt beschäftigen: wie z. B. im Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal e. V.“ und der „IG Wuppertals Urbane Gärten“. Im Kern seines Wirkens steht dabei, dass individuelle Recht auf Stadt wahrzunehmen, den öffentlichen Raum zu nutzen, diesen gemeinschaftlich grüner zu gestalten und entstehende Projekte zu vernetzen – ganz nach dem Motto des Urban Gardening Manifests „Die Stadt ist unser Garten“!

Uta und Michael kennen sich bereits aus verschiedenen Projekten. Zuletzt trafen sie aber im Rahmen des Projekts „[plan · e]: planet erde“ aufeinander, dass vom „Fonds Soziokultur“ in Trägerschaft des „und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit“ gefördert wurde und sich mithilfe von partizipativer Kunst und Mitweltaktionen mit der Welt als geteilten Lebensraum beschäftigt. Durch Utas Wirken im INSEL e. V., rückt unter anderem dessen Hinterhof auch in das Blickfeld von Michael – der zukünftige INSEL Kulturgarten. Das ADA gilt seit mehreren Jahrzehnten als einer der kulturellen Hotspots im Stadtgebiet und schlägt durch sein Wirken diverse Brücken über das Quartier hinaus. Nachdem der äußerlich wahrnehmbare Glanz der Institution in den letzten Jahren abgenommen hatte, hat sich der INSEL e. V. zum Ziel gesetzt, das ADA als Plattform und Forum zu stärken. Der Hinterhof wird dafür als ein Ort mit enormen Potenzial verhandelt. Ziel der Umgestaltung des Hinterhofs ist jedoch nicht nur die Aufarbeitung dessen Optik. Vielmehr ist der INSEL Kulturgarten ein Projekt, dass sich der möglichen Symbiose aus Kunst, Kultur und Natur widmet. Einen solchen Prozess anzustoßen, ist kein Akt der bloßen Weichenstellung. Es bedarf eines Konzepts, dass sowohl die räumliche Planung als auch die soziale Interaktion mitdenkt. Denn ohne Menschen, die diesen Ort beleben und sich um ihn sorgen, wäre er eben bloß ein verwilderter Hinterhof. Das Bürgerbudget dient in diesem Sinne als Plattform, das die Zustimmung der Bewohner*innen einholt und die finanzielle Grundlage für eine zukünftige gärtnerische und kulturelle Nutzung schafft.

Hier könnte in Zukunft eine grüne Wand entstehen | Foto von Wolf Sondermann

Das Projekt baut auf den bisherigen Strukturen des Ortes auf – anders wäre es auch nicht möglich. Denn Projekte, die durch Städtebaufördermittel finanziert wurden, unterliegen einer zwanzigjährigen Umnutzungssperre. Demnach ist es alleine schon rein rechtlich notwendig, die Zweckbindung der Flächen einzuhalten. Eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Ideen und Maßnahmen der Qualitätssteigerung sind jedoch grundsätzlich erlaubt. Michael ist davon überzeugt, dass das heutige Erscheinungsbild des Platzes grundlegend richtig konzeptioniert wurde und eigentlich eine Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten eröffnet. Nur mangelt es bisher an den Menschen, die diesen Ort annehmen und mit Leben füllen. Das Konzept des INSEL Kulturgartens fokussiert sich demnach auf die Wiederbelebung des Hinterhofs durch die Schaffung attraktiver Angebote zum gärtnern und Möglichkeiten der aktiven Partizipation. Von der Partizipation erhoffen die Aktiven sich, dass die Mitwirkenden eine gewisse Verantwortung für ihr Werk übernehmen und sich den Platz somit aneignen. Ganz konkret sollen Workshops geplant werden, in denen z. B. die zukünftige Bepflanzung geplant wird oder Sitzmöglichkeiten angefertigt werden. Dabei ist über herkömmliche lokale Bepflanzung hinaus, eine kulturelle Artenvielfalt angedacht. Letztendlich soll sich die kulturelle Diversität des Quartiers auch im INSEL Kulturgarten widerspiegeln. Die gartenbauliche Wiederherstellung und Pflege der Grünanlage soll nach einer kollektiven Entscheidungsfindung von einem Fachbetrieb übernommen werden. Bisher sind mehrere Hochbeete, eine vertikale Bepflanzung und eine teilweise Entsiegelung der Flächen angedacht.

Die Tribüne könnte in Zukunft zu Lesungen einladen | Foto von Wolf Sondermann

Grundsätzlich wird der INSEL Kulturgarten aber kein weiterer Ort des Zeitfressens sein. Quartiersbewohner*innen sollen sich hier erholen, das Miteinander und die Natur genießen können und nicht mit zusätzlicher Arbeit überschüttet werden. Wer sich letztendlich des Kulturgartens und dessen Pflege annimmt, muss vorab nicht bestimmt werden. Vielmehr soll sich in einem transformativen Prozess eine Gruppe von Menschen zusammenfinden, die den Ort lebendig halten. Die Aktiven des INSEL e. V. wollen erste Impulse geben und die Pflege des Gartens langfristig in die Obhut der sich bildenden Gemeinschaft übergeben. Parallel dazu ist es außerdem angedacht den gesamten Hinterhof als konkreten Kulturort zu nutzen. So könnten hier in Zukunft Lesungen, Filmvorführungen oder kleine Konzerte stattfinden. Die inhaltliche und räumliche Nähe zu anderen Gartenprojekte in der Nachbarschaft soll dabei nicht als Konkurrenz erscheinen. Vielmehr sollen die Gartenprojekte sich in ihrer Gänze und Andersartigkeit gegenseitig unterstützen und befruchten. Inhaltlich dreht sich das Projekt also um die Idee der gesellschaftlichen Transformation hin zu einer grünen Stadt. Damit wirft der Kulturgarten auch die Frage auf: Wie wollen wir in Zukunft eigentlich zusammenleben?

Falls das Projekt mithilfe der Gelder des Bürgerbudgets finanziert wird, kann bereits ab Anfang 2022 mit der Umsetzung begonnen werden. Die Mittel sollen dann im Rahmen der folgenden zwei Jahre genutzt werden. Damit dieses Projekt jedoch realisiert werden kann, muss es in der zweiten Wahlperiode, im kommenden September, auch die Unterstützung der Bürgerschaft erhalten. Dafür ist das Projekt des Kulturgartens auf eure Stimme angewiesen, die ihr bald hier [Bürgerbeteiligung] abgeben könnt. Bis dahin beschäftigt sich das offene Team rund um Uta und Michael mit der weiteren Ausarbeitung und Konkretisierung des Konzepts. Für dieses und andere Projekte im Bereich der Kunst und Kultur wird außerdem immer kulturinteressierter Nachwuchs für den INSEL e. V. gesucht.

Im Interview mit Uta und Michael | Foto von Wolf Sondermann

Der Kulturgarten lässt auf Vielversprechendes hoffen. Kunst und Kultur als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Ortes der Natur und Gemeinschaft miteinander verbindet, weist einen Weg hin zu einem neuen Verständnis von Stadt. Ein Verständnis in dem die Menschen und Bewohner*innen der Stadt, ihren Lebensraum selbst gestalten und aneignen – und zwar in einem weltverträglichen Miteinander. Wir drücken die Daumen für das Gelingen des Projekts! Falls du mehr über das Projekt erfahren möchtest oder selbst Mitglied werden willst, schau doch auf der Homepage [Homepage INSEL e. V.] und den Social Media Plattformen [Facebook] des INSEL e. V. vorbei. Außerdem kannst du hier [Bürgerbeteiligung] mehr über das Projekt erfahren und zukünftig deine Stimme abgeben.

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