SUPAGOLF | die Randsportart im Quartier Mirke wird 10

Das Quartier beherbergt jährlich eine große Anzahl an verschiedenen Veranstaltungen die in ihrer Gesamtheit Bewohner*innen und Besucher*innen zusammenbringen, vernetzten und ein kulturelles Moment schaffen. Von Sommerfesten, über Konzerte, Tagesfestivals, Filmvorführungen bis hin zu einer sehr gewissen Randsportart. Diese Randsportart nennt sich „Supagolf“. Kaum eine Veranstaltung ist in den letzten Jahren so sehr Teil des Quartiers geworden wie die jährliche Ausgabe von „Supagolf“. Anlässlich der 10. Ausgabe haben Wolf und ich uns mit einigen der Gesichter hinter dem Projekt auf dem Dach der Hebebühne zusammengesetzt, und mit ihnen über die Geschichte, das Werden und das Engagement hinter Supagolf gesprochen.

(v.l.) Didi, Jacky, Supaknut und Eilike | Foto von Wolf Sondermann

Supaknut, alias Knut Heimann, ist hauptberuflich Schauspieler und Gründungsmitglied des Vollplaybacktheaters. Gemeinsam mit dem hauptberuflichen IT-Berater Special Agent D.D.Q. Lessa, alias Didi Kulessa, rief er vor 10 Jahren die Randsportart Supagolf ins Leben. Seitdem hat sich so einiges im Leben der beiden verändert. Jacky, alias Jacob Economu, kümmert sich als hauptberuflicher Designer seit der zweiten Ausgabe ehrenamtlich um das Design der Veranstaltung. In seinen Aufgabenbereich fällt die Gestaltung der jährlichen Auflage des Randsportartenbegleithefts.

Es ist Mitte August. Gemeinsam mit Wolf treffe ich mich an einem warmen Sonntagnachmittag mit Supaknut, Jacky und Didi auf dem Dach der Hebebühne. Im Minutentakt rollen die Golfbälle neben uns durch die allseits bekannte Murmelbahn – ein echter Klassiker von Supagolf. Aber was ist dieses „Supagolf“ überhaupt? Es ist alles andere als das was die Menschheit als Golf, Minigolf oder Stinknormalgolf kennt. Statt im Rahmen von gepflegten Rasenarealen oder kalten Betonbahnen wird hier auf liebevoll gestalteten Bahnen der Marke „Eigenbau“ gespielt – stilecht nur mit dem ausgemusterten Hockeyschläger. Da kann es schonmal passieren, dass der Ball über die Müngstener Brücke, durch die defekte Schwebebahn oder über verschiedenste Plattenspieler rollt. Verbaut wird dabei alles, was Knuts Wuppertaler Atelier so hergibt und die Köpfe erdenken können. Wettbewerb kennt die Randsportart übrigens nicht wirklich. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sie bis dato noch nicht Teil der olympischen Spiele wurde.

Warum einen Golfschläger nutzen? | Foto von Wolf Sondermann

Entstanden ist das Projekt vor inzwischen 10 Jahren. Die Kreativen des damaligen Sommerlochs, in den ehemaligen Elba Hallen, inspirierte die Fläche der Produktionshallen dazu, sie in einen Golfplatz der anderen Art zu verwandeln. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach golfaffinen Mitstreiter*innen. Durch einen glücklichen Zufall stoßen sie auf Knut und Didi. Die zwei kennen sich noch aus der Schulzeit und man munkelt, dass sie früher des Öfteren in nächtlichen Aktionen auf Minigolfplätzen einbrachen und mit mitgebrachten Hockeyschlägern und Golfbällen den Platzrekord brachen. Gesucht, gefunden! Wenige Wochen später bauten die zwei 18 Bahnen aus dem Material, dass ihnen im Sommerloch zur Verfügung gestellt wurde. Supagolf wurde geboren! Nachdem die Zwischennutzung in den Elbahallen endete, finden die darauffolgenden Ausgaben in der Hebebühne und dem benachbarten Mirker Bahnhof, inzwischen Utopiastadt statt. Seitdem ist das Team der Hebebühne fester Bestandteil von Supagolf und ermöglicht durch dessen Engagement einen möglichst reibungslosen Ablauf.

Und obwohl Supagolf sich seit seiner ersten Ausgabe stets treu geblieben ist, hat das Projekt in den letzten 10 Jahren so einiges ausprobiert. Vor allem aber ist es in seiner Organisation wesentlich professioneller geworden. Zum einen recyceln Didi und Knut inzwischen alte Bahnen und vermeiden so eine Menge Müll, zum anderen verbesserten sie sich wesentlich in der Planung der Logistik. In der Praxis bedeutet das z.B., dass die einzelnen Bahnenstücke nicht größer als das Auto von Eilike sind, eine treue Helfer*in seit Tag Eins. Während dadurch früher rund drei Stunden für den Auf-/Abbau eingeplant werden mussten, schaffen sie das heute in eineinhalb Stunden. Das liegt aber auch an der gewachsenen Zahl an Helfer*innen, die sich Wochenende für Wochenende engagieren, um Supagolf zu ermöglichen. Didi und Knut betonen, dass sie ohne die engagierten Helfer*innen womöglich gar keine Zeit gehabt hätten uns dieses Interview zu geben. Denn während Knut, Didi und Jacky auf dem Dach der Hebebühne sitzen, schmeißen Eilike, Linda, Barbara, Magdalena, Silke und viele andere Helfer*innen gerade die Veranstaltung. Genau diese Helfer*innen tragen dazu bei, dass der Spirit der Veranstaltung mit all seinem Charme und Humor aufrechterhalten wird. Denn Supagolf lebt nicht bloß von genialen selbstgebauten Bahnen, sondern eben auch von den Menschen, die diese Veranstaltung ermöglichen und erdenken. Es lebt von seinem Charme, einem gewissen Gefühl und dem Humor der Engagierten. Das wird sowohl im zwischenmenschlichen Kontakt als auch durch die charakterstarke Detailverliebtheit beim Bahnenbau deutlich.

Jacky schließt die neue Hau-den-Lukas-Bahn mit voller Punktzahl ab | Foto von Wolf Sondermann

Wie so viele Projekte im Quartier ist auch die jährliche Ausgabe von Supagolf rein ehrenamtlich organisiert. Gerade für Jacky, Knut und Didi ist es allerdings weit mehr als ein Hobby und fordert jedes Jahr auf neue sowohl handwerkliche, gestalterische und konzeptionelle Fähigkeiten, als auch eine Menge Zeit. Während manche Bahnen schon kurz nach der letzten Ausgabe fertiggestellt werden konnten, müssen andere noch am Tag des Aufbaus endgültig finalisiert werden. Statt gewöhnlicher Bahnverläufe und handelsüblichen Hindernissen werden hier mal eben 60 Bälle auf der Bahn festgeschraubt – Verwirrung beim Abschlag inklusive. Gerade bei der Merk-dir-den-Ball-Bahn hatten Knut und Didi in diesem Jahr besonders Spaß bei der Umsetzung. Diese Liebe zum ungewöhnlichen Detail, viel Herzblut und Kreativität wird mit dem Lächeln der Besucher*innen entlohnt, die Supagolf mit all seinen Facetten von Jahr zu Jahr neu entdecken.

„Knut? Supagolf ist die beste Sportart der Welt. Besser als Fußball!“ – Ein Junge zu Knut

Insbesondere für die Kinder, die im Quartier groß werden, ist Supagolf inzwischen ein jährlicher Begleiter. So ist es nicht verwunderlich, dass Jackys Sohn Otis mit einem Hockeyschläger in der Hand laufen lernte und so manch ein kleiner Besucher bemerkt, dass Supagolf besser als Fußball ist. Noch erfreuter waren die Drei als sie die Bestätigung für ihren Antrag auf Förderung durch den Mirker Quartierfonds erhalten haben. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung damit das erste Mal gefördert. Während manche Ideen in der Vergangenheit aufgrund von Finanzierbarkeit nicht umgesetzt werden konnten, eröffnete die Förderung umso kreativere Möglichkeiten.

Knut richtet in letzter Minute die Murmelbahn noch einmal zu recht | Foto von Wolf Sondermann

Natürlich haben auch die anhaltenden Zustände dazu geführt, dass intern über die 10. Ausgabe von „Supagolf“ diskutiert wurde. Darf eine solche Veranstaltung überhaupt stattfinden? Was muss beachtet werden? Kriegen wir das überhaupt mit gutem Gewissen gestemmt? Letztendlich entschied sich das Team jedoch für eine 10. Ausgabe im Jahr 2020. Zwar wurde der Termin um ein paar Wochen nach hinten verschoben und im Rahmen der Veranstaltungstage muss auf Abstand und Hygiene geachtet werden, das ändert allerdings nichts an der Herzlichkeit und der Liebe die in die Veranstaltung gesteckt wurde.

Auf die Frage wo die beiden Supagolf in Zukunft sehen, müssen die Drei schmunzeln. Über die Jahre planen ist nicht so ihr Ding, scheint es. Trotz alledem hat Knut angesichts seiner wohl recht mageren Schauspielerrente vorgesorgt. Ganz in der Tradition des Supagolfländs, dass zwei Jahre lang am Küllenhahn ansässig war, kann er sich seine Rente als Platzwart eines Supagolfplatzes vorstellen. Der benachbarte UtopiastadtCampus könnte vielversprechende Flächen dafür bieten! Aber auch wenn das Projekt Supagolf, aus welchem Grund auch immer, vorzeitig beendet werden muss, wird Didi und Knut garantiert eine ebenbürtige neue Randsportart einfallen. Wie z.B „Kronkorkenkriechwatching“. Falls dir das nichts sagt – willkommen im Club. Didi und Knut waren allerdings so lieb den Spielaufbau kurz zu skizzieren: Zwei Kornkorken, etwa zu trinken, eine Sitzgelegenheit, eine Ziellinie, ein Paar vorbeifahrende Autos und eine wenig Zeit – fertig! Wir hoffen trotzalledem darauf, dass Supagolf uns noch viele weitere Jahre erhalten bleibt.

Wenn die Supagolfbahn zur Rennstrecke wird | Foto von Wolf Sondermann

Wir wünschen dem Team hinter Supagolf alles Gute zur 10. Ausgabe und hoffen auf viele weitere in der Zukunft des Mirker Quartiers!
Falls ihr auch Teil der diesjährigen 10. Ausgabe von Supagolf werden möchtet, habt ihr glücklicherweise noch zwei Wochenenden Zeit dafür. Falls ihr stetig, auf dem Laufenden gehalten werden wollt, findet ihr hier die Social-Media-Kanäle von Supagolf (Facebook | Instagram).

PS: Am letzten Sonntag des Monats findet das berühmte Supagolf Turnier mit Siegerehrung statt. Falls du also eine Urkunde absahnen möchtest, schwing den Hockeyschläger am letzten Sonntag des Augusts!

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