Einweihung des Helene Weber Denkmals | für mehr Gleichheit im Quartier

Ein städtischer Platz ist nicht einfach bloß ein unbebauter Ort. Er ist ein Raum des Verweilens, des Zusammenkommens, der Begegnung und Übereinkunft. Der Helene-Weber-Platz, mitten im Quartier Mirke ist einer dieser Orte – doch in der Vergangenheit wurde er nur allzu selten als solcher wahrgenommen. Das soll sich mit der Einweihung des Helene-Weber Denkmals zukünftig ändern und zugleich die Botschaft der Gleichheit im gesellschaftlichen Zusammenlebens manifestieren. Am 18. September wurde das Denkmal im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung durch den Oberbürgermeister Uwe Schneidweind eröffnet. Wir waren dabei und haben unsere Eindrücke in Schrift und Bild für euch festgehalten. 

(v.l) Martina Völker, Gregor Rasch, Birgit Pardun, Thomas Kring, Anika Pütz, Matthias Nocke, Jana Ihle, Gregor Eisenmann, Martin Hamburger und Uwe Schneidewind | Foto von Wolf Sondermann

Aber wem wird da überhaupt ein Platz gewidmet und warum bedarf es eines Denkmals? Helene Weber (1881-1962) war gebürtige Elberfelderin und wird als „einflussreichste Frau der Union“ bezeichnet. Als eine der vier Mütter des Grundgesetzes arbeitete sie mit 3 weiteren Frauen und 61 männlichen Kollegen 1948 an der Erstellung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Sinne trug sie nach anfänglicher Distanzierung letztendlich dazu bei, dass der dritte Artikel des Grundgesetzes um den zweiten Absatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ergänzt wurde. Aber auch außerhalb ihrer Arbeit in Parlamenten und an Schreibtischen setzte sich die Studienrätin, Politikerin und Aktivistin für eine erweiterte Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Ihr Leben als erfolgreiche, konservative und emanzipierte Frau galt zur damaligen Zeit als verpönt. Sie nutze ihre Karriere jedoch, um das Bild zu verändern und so einen Weg für folgende Vorbilder zu pflastern. 

Es liegt nahe, einer solchen Frau ein Denkmal zu widmen. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes NRW, ermöglichte die Finanzierung des Denkmals. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Grundgesetzes wurden den Städten Herford, Dortmund und Wuppertal je 100.000 € zur Verfügung gestellt, um die Denkmäler für die drei nordrhein-westfälischen Mütter des Grundgesetzes zu erbauen. Und seit Samstag ist der zweite Absatz des dritten Artikels des Grundgesetzes nun auch offiziell in Stein gemeißelt – und zwar in 10 verschiedenen Sprachen: Deutsch, Arabisch, Polnisch, Serbisch, Griechisch, Bulgarisch, Türkisch, Italienisch, Französisch und Ewe. Alle Schriftzüge entspringen den handschriftlichen Vorlagen von Kindern aus dem Quartier und repräsentieren die meist gesprochenen Sprachen im Stadtgebiet. Die Steinarbeiten wurden von dem Wuppertaler Steinmetz- und Bildhauermeister Gregor Rasch umgesetzt. Ergänzt werden die Schriftzüge unter anderem durch das Wandbild „Der superlange Arm des Grundgesetzes“ von der Künstlerin Birgit Pardun. Darauf sind die Arme Helene Webers zu sehen, die sie ausstreckt um politische Veränderungen fortzuführen und somit zu einer sich stetig innovierenden Gesellschaft beizutragen. Außerdem errichtete der quartierbekannte Lichtkünstler Gregor Eisenmann eine Lichtinstallation, die in den Abendstunden den Platz beleuchtet. Bis zum Jahreswechsel wird die Installation vier Grafiken Eisenmanns zeigen, ab 2022 dann Grafiken des Künstler*innenduos Whoslulu und Gin Bali zum leuchten bringen. Whoslulu und Gin Bali sind Teil des YAYA-Netzwerks: ein intersektional-feministisches Netzwerk kunst- und kulturschaffender FLINTA Personen aus Wuppertal und Umgebung.

Ergänzt wird dieses vielfältige Denkmal letztendlich durch die Ergebnisse der Zusammenarbeit des Von der Heydt Museums, der Grundschule Mirker Bach und der Alten Feuerwache. In verschiedenen Aktionen beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen mit Helene Weber, ihrem Leben und Schaffen und übersetzten ihre Gedanken in grafische Werke. Diese wurden auf Polyacrylplatten gedruckt und in die Linde auf dem Platz gehängt. Während der Eröffnung hingen hier auch Messingplatten in die Kinder der Alten Feuerwache Texte stanzten. Zur Sicherheit werden diese jedoch außerhalb von feierlichen Anlässen im Rathaus aufbewahrt.

Da Ministerin Scharrenbach die Veranstaltung staubedingt nicht besuchen konnte, weihte Oberbürgermeister Uwe Schneidewind das Denkmal alleine ein. Doch vorab wurde er von Kindern der Alten Feuerwache und Grundschule Mirker Bach mit einem Rapsong begrüßt. Der Refrain „Helene Weber – bald kennt dich hier jeder“ schallt auch noch Stunden später durch den Kopf und entspringt der Auseinandersetzung der Kinder mit dem Thema (Un-)Gerechtigkeit. In seiner Rede verdeutlichte der OB, dass Helene Weber exemplarisch für die Idee der Gleichberechtigung stehe – für eine Gesellschaft, die sich der Idee der Gleichheit verschreibt und ihr Wirken darauf richtet. Dadurch wird der Platz auch zu einem bleibenden Zeichen, dass an diese Idee erinnert. Daran anschließend folgen kleine Dankesbeiträge und Reden von Thomas Kring (Bezirksbürgermeister Elberfeld), Jana Ihle (Pädagogische Leiterin der Alten Feuerwache), Arno Minas (Dezernent für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Klimaschutz, Bauen und Recht) und Martin Hamburger (Diakoniedirektor). Jana Ihle machte in ihrer Rede darauf aufmerksam, dass Helene Weber als Figur exemplarisch für den Kampf gegen Ungerechtigkeit steht. Im Quartier kennt man sich mit Ungerechtigkeit zu genüge aus. Das Denkmal solle daher als Mahnmal für die Notwendigkeit gesehen werden, sich stetig gegen Unrecht auszusprechen und dem Zeichen Taten folgen zu lassen. Kulinarisch wurde die Veranstaltung außerdem von der Diakonie und dem Verein „Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete e.V.“ begleitet. Letztere boten neben Speisen und Getränken ebenso die Möglichkeit an, kreativ zu werden und sich in verschiedenen kleinen Kunstaktionen auszutoben.

Ein weiterer Platz im Quartier, der sich wohl einer der wichtigsten Botschaften überhaupt widmet – der Gleichheit aller Menschen. Aber auch heute noch leben in Wuppertal Menschen, die von Ungleichheit betroffen, bedroht und diskriminiert werden. Nur weil formale Gleichstellung seit über 70 Jahren in unserem Grundgesetz verankert ist, heißt dies nicht, dass die realen Lebensumstände marginalisierter und diskriminierter Menschen vernachlässigt werden können. Auch wenn Dank u.a. Helene Weber formale Gleichstellung in unserem Grundgesetzt verankert wurde, ist diese im tatsächlichen Leben vieler FLINTA noch nicht realisiert – Gender Pay Gap, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung von Minderheiten sind auch heute noch Alltag. In wirklicher Gleichheit zu leben heißt, Unterschiede anzuerkennen und sie nicht zum Makel zu verklären. In diesem Sinne wird Helene Weber uns Wuppertaler*innen auch in Zukunft daran erinnern, dass Gleichstellung Menschen bedarf, die diese einfordern und sich dafür starkmachen, kämpfen, demonstrieren, sich engagieren und helfen. Lasst uns das nicht vergessen!

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