Bürgerbeteiligung Neue Friedrichstraße in der Diakoniekirche 

Wie stellen sich die Nutzer*innen den Ausbau der Neuen Friedrichstraße vor?

Die Kirche war voll, die Stadtverwaltung und die Politik waren stark vertreten. Viele Anwohner*innen und auch Fahrradbegeisterte waren vor Ort und warteten interessiert auf die Verbesserungsvorschläge für den Radverkehr in der Neuen Friedrichstraße. Frau Reichel Leiterin des Verkehrsresorts versicherte, dass die Planung der Neuen Friedrichstraße ganz am Anfang stehe, es sei noch offen, wie der Radverkehr dort geführt werde. In dem Radverkehrskonzept der Stadt sei die Neue Friedrichstraße als Hauptroute aufgenommen worden, da sie ein wichtiger Zubringer von der Elberfelder Innenstadt zur Nordbahntrasse und zum Mirker Quartier darstellt.

shot by Wolf Sondermann

Dirk Lange, ein Mitarbeiter im Verkehrsresort informiert darüber, dass im Mirker Quartier rund 500 Anwohner leben, die 150 PKWs angemeldet haben. Es gibt zwei Schulen und altersgerechtes Wohnen in diesem Bereich. Das Verkehrsaufkommen, gezählt in einer Morgenstunde, liegt bei 170 Fußgänger*innen, 12 Fahrrädern und 70 KFZ. Die Kanalbaumaßnahme der WSW bietet eine gute Gelegenheit für Veränderungen in der Neuen Friedrichstraße, denn die WSW muss nach der Kanalsanierung die Straßenoberfläche wiederherstellen. Sollten von der Stadt weitere Ausbauten gewünscht werden, wie eine Veränderung des Straßenquerschnitts durch die Verlegung der Bordsteine, müsste die Stadt für diese Kosten aufkommen. Da aber dafür der Stadt keine Mittel zur Verfügung stehen, können keine Kosten verursachenden Umgestaltungen erfolgen. Um die Kirche ist weiterhin eine Kopfsteinpflasterung wegen des Denkmalschutzes vorgesehen. Eine Absenkung der Bordsteine an den Querungen für eine barrierefreie Begehbarkeit wird realisiert. So können zur Verbesserung des Radfahrens nur Maßnahmen bei der Markierung oder bei der Beschilderung umgesetzt werden.

Unter Berücksichtigung dieser finanziellen Grenzen sind zwei grundsätzliche Planungen zur Verbesserung des Fahrradverkehrs möglich. Das ist einmal die Öffnung der Einbahnstraße für den Radverkehr, der dann, in der heute schon bestehenden Einbahnstraße, auch in Gegenrichtung fahren kann. Die zweite Möglichkeit ist die Ausweisung einer Fahrradstraße, so dass die Straße von Radfahrer*innen in beiden Richtungen befahren werden darf, die Befahrung mit einem KFZ ist dann nur für Anlieger erlaubt.

»Was brauch das Quartier? – Ein Rollenspiel«

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Nach dieser Information über die Rahmenbedingungen sollten die Besucher in Gruppen arbeiten und sich Gedanken machen, wie wohl Gewerbetreibende, wie Anwohner*innen, Besucher*innen, die Fahrradfahrenden und Eigentümer*innen sich den Umbau der Neuen Friedrichstraße wünschen. Die Gruppen erfuhren die Aufgabenstellung aber erst nach der Gruppenbildung, so dass unterschiedliche Vorstellungen in den Gruppen vertreten waren. Nach hitzigen Diskussionen, viel dazwischen Reden und auch kontroversen Vorstellungen, konnten die Moderator*innen der Gruppen in der Schlussvorstellung viele Aspekte vortragen.

Die „Gewebetreibenden“ wünschten sich, dass Kunden gut zum Geschäft kommen, dass sie dort Parkplätze finden aber auch Fahrradständer. Für die zu Fuß kommenden Kunden ist eine attraktive und sichere Wegeführung angenehm. Durch den Imagegewinn des Quartiers z.B. durch den Mirker Bahnhof und durch die Einrichtung einer Fahrradstraße können sich neue Gewerbetreibende für die leerstehenden Läden interessieren. Aber es waren auch Meinungen vertreten, die mehr Durchgangsverkehr forderten.

Für die „Anwohner*innen“ ist eine Gestaltung der Stadträume zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität wichtig. Im Straßenraum sollen Plätze entstehen, die das zu Fuß gehen attraktiver machen. Weniger Verkehr bedeutet mehr Stille und raum für nachbarschaftliches Dasein!

Die „Besucher*innen“ kommen sowohl mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Abhängig davon, welches Verkehrsmittel genutzt wird, werden Parklätze, Fahrradabstellanlagen oder freie Gehwege mit abgesenkten Bordsteinen gewünscht. Dies erfordert ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer*innen. Gewünscht werden mehr Beschilderung und Wegweisung, z.B. zu wichtigen Zielen oder Parkplätzen außerhalb des Quartiers.

Für die „Fahrradfahrenden“ ist die Neue Friedrichstraße eine wichtige Verbindungsachse zur Nordbahntrasse. Sie fordern hier eine sichere und komfortable Befahrbarkeit der Straße. Durch weniger Parkplätze erhöhen sich die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit. Wichtig sind auch Fahrradabstellmöglichkeiten.

Für „Eigentümer“ sind ein baldiger Beginn der Baumaßnahme und eine zügige Durchführung mit einer guten Kommunikation wünschenswert. Die Wohnungen sollen gut erreichbar sein.  Parkplätze sind für die Bewohner erforderlich, Anwohnerparken ist da geeignet. Weniger Verkehr kann zu einer Steigerung der Attraktivität der Wohnungen führen.

»Und wie geht es jetzt weiter? – Ein Blick in die Zukunft «

shot by Wolf Sondermann

Die Diskussion in den Nutzergruppen brachte viele Argumente und Aspekte auf den Tisch, die bei einer Planung zur Verbesserung der Fahrradmobilität in der Neuen Friedrichstraße zu berücksichtigen sind. Es ist jetzt eine Herausforderung diese zu einer Verkehrsplanung zusammenzufassen. Es zeigte sich auch, dass für das Quartier ein Verkehrskonzept erarbeitet werden muss, das eine zukünftige Verkehrsentwicklung berücksichtigt. Warum sollte eigentlich gerade die Mirke als kostenfreier Parkplatz für die Innenstadt herhalten? Vielleicht sollte die Verwaltung sich eher auf die Bürger*innen der Stadt Wuppertal berufen und sich dessen Interessen annehmen. Umso wichtiger ist es, die Mobilität im Quartier noch weiter zu erforschen um da Platz zu schaffen, wo er wirklich gebraucht wird. Es scheint mir als würden immer mehr Menschen im Quartier sich auf den Sattel schwingen und in die Pedale treten, in Zukunft können es, bei gegebener Verkehrslage, nur noch mehr werden. Das treibt nicht nur die „Utopie“ Fahrradstadt Wuppertal weiter vorran, sondern auch das rücksichtsvolle Bewegen in der eigenen Umwelt!

Herr Güldenagel stellvertretender Bezirksbürgermeister sprach das Schlusswort: „Wir nehmen alle Anregungen auf, wir diskutieren diese nach der Sommerpause und entscheiden dann in der Bezirksvertretung“. Das Forum Mirke wird diesen Prozess weiter aufmerksam verfolgen.

3 Kommentare

  • Pfankuchen, Siegfried

    Ich besitze auf der Nuen-Friedrich-Str. Hausnr. 56 ein Mehrfamilienhaus. Aus Zufall habe ich davon
    erfahren das auf Straße entsprechende Veränderungen anstehen, Kanalbauarbeiten usw.
    Meine Frage geht dahin ob auch der obere Bereich der Neuen-Friedrich-str. davon betroffen ist
    bzw. warum die Eigentümer die nicht vor Ort wohnen bisher von den Maßnahmen keine Kenntnis
    erhalten haben?

    • Hallo Siegfried!
      In welcher Form die Straße selbst bearbeitet wird ist mir nicht bekannt. Alleinig die Debatte einer veränderten Straßenführung, die mit den Kanalbaumaßnamen einhergehen könnte, ist Grund für die Bürgerbeteiligung gewesen. Warum Eigentümer*innen der angrenzenden Häuser bisher noch nicht von den Stadtwerken informiert wurden, kann ich dir leider auch nicht sagen. Es gab allerdings eine Information zur Bürgerbeteiligung für die Anwohner*innen.

      • Guten Tag Siegfried,
        die Info von Mosche möchte ich näher erläutern.
        Wir als Initiative Forum:Mirke haben von den Kanalbauplanungen in der Neuen Friedrichstraße Anfang des Jahres erfahren. Auch der Kanal in der oberen Neuen Friedrichstraße ist davon betroffen; soweit zu der Frage! Da diese Straße eine wichtige Rad- und Fußwegeverbindung zur Nordbahntrasse und zum Quartier ist, haben wir das Thema öffentlich gemacht und unsere Forderungen nach einer Planung formuliert, die für Fußgänger und Radfahrer gut nutzbar ist. Im Sommer fand jetzt eine Bürgerbeteiligung statt, der Bericht darüber ist auf der Homepage der Stadt Wuppertal zu finden. Planungen für die Straße liegen wohl noch nicht vor, zumindest sind mir noch nicht bekannt. Wann die WSW mit der Kanalbaumaßnahme beginnen möchte ist hier im Quartier noch nicht gekannt gegeben.

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