Tag des Ehrenamts – NRW-Stiftung feiert 40-Jähriges auf dem Utopiastadt-Campus

Das Thema Ehrenamt wird in diesem Jahr vielfach zelebriert: Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der NRW-Stiftung fand am 22. August auf dem Utopiastadt-Gelände das Ehrenamtsfest mit zahlreichen teilnehmenden Initiativen statt. Doch auch bundesweit war das Ehrenamt schon Thema: Anlässlich des 77. Geburtstags des Grundgesetzes in diesem Jahr rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erstmals die Initiative „Der Ehrentag“ ins Leben. Die Idee dahinter: Das Ehrenamt ist eine wichtige Basis – wenn nicht sogar das Fundament – für eine funktionierende Demokratie. Im vergangenen Mai fanden deswegen bundesweit geförderte Aktionstage statt, um diesem wichtigen Fundament Ehrenamt eine Bühne zu geben – und es auch zu stärken. Im Quartier Mirke gab es in den Wiesenwerken mit „Mirke spielt!“ ebenfalls eine Veranstaltung im Rahmen des „Ehrentages“. Ehrenamtliche Helfer:innen brachten das Quartier zu einem gemeinsamen Brettspiel-Nachmittag zusammen. Ein Beispiel, das darstellt: Ehrenamtliches Engagement ist vielfältig – dies zeigten auch die zahlreichen, bunten Initiativen zum „Ehrenamtsfest“. Was sie bewegt und wie sie sich als Fundament unserer Demokratie wahrnehmen:

Ehrenamt heißt auch Freiheit

Neben dem Quartier Mirke gibt es in Wuppertal einen weiteren Stadtteil mit ähnlichen Herausforderungen und ähnlichem Engagement: den Arrenberg. Dass dieser mit den Vertretern Malte Steinmetz und Max Christian Graeff der Initiative „Aufbruch am Arrenberg“ ebenfalls vor Ort war, ergibt also mehr als Sinn. Beide Quartiere teilen eine gewisse Ambivalenz im nachbarschaftlichen Zusammenleben: Es gibt in beiden Stadtteilen Initiativen, die sich für die Belebung des Quartiers einsetzen, jedoch partizipieren längst nicht genug Bewohner an dieser Quartiersarbeit. Auch deswegen ist Malte überzeugt: „Es ist für das Ehrenamt immer essenziell, da anzufangen, wo die Menschen leben. Das heißt, es darf nicht weit sein, es darf nicht abstrakt sein, es muss spürbar, erlebbar vor der Haustür sein.“ Graeff ergänzt: „Es ist nötiger geworden, denn die Nachbarschaften funktionieren nicht mehr von selbst. Es hilft, Menschen eine Struktur anzubieten, in der sie sich engagieren können.“ Deswegen sei es auch wichtig, in den Austausch zu gehen. Man müsse nicht am Arrenberg wohnen, um Mitglied dieser Initiative zu werden – wie bei Utopiastadt. Trotzdem trage sich so die Idee weiter, und bei dem vielfältigen Angebot sei eigentlich für jeden was dabei, so Malte. Und wenn nicht, betont er den Mut zum Scheitern. „Der Aufbruch bietet die Struktur, Dinge auszuprobieren, ohne dass jemand droht, pleite zu gehen.“ Genau dies kann das Ehrenamt auch sein: ein Freiheitsgefühl, ganz ohne Profitgedanken, entgegen dem herrschenden kapitalistischen Narrativ.

Ohne Ehrenamt keine Tafel

Die Wuppertaler Tafel bildet eine Basis, eine wichtige soziale Säule für unsere Stadt und die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen. Auf 40 Festangestellte kommen 200 ehrenamtliche Helfer:innen. Es wird deutlich: Ohne Ehrenamtler:innen wäre die Arbeit der Tafel de facto nicht möglich. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: von der Essensausgabe über das Aushelfen in der Küche bis zu Fahrtätigkeiten, Spendenannahme oder der Arbeit bei der Kindertafel – welche ausschließlich, bis auf die hauptamtliche Leiterin Elena Merlakova, von ehrenamtlichen Kräften betrieben wird. Uwe Wunderlich, Ansprechpartner für das Ehrenamt bei der Tafel, betont ausdrücklich: „Ehrenamt funktioniert aus Überzeugung und kann das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit erfüllen – und dann bekommt man auch eine ganze Menge an positiven Gefühlen von den Menschen zurück!“ Was Wunderlich leider auch betonen muss: Es fehle der Nachwuchs. „Ab 16 Jahren kann sich jeder Interessierte gerne bei mir melden.“ Kontakt: www.tafel-wuppertal.de/helfen/ehrenamt

Ehrenamt und Hobby

Mit Begeisterung für ihr Hobby und Engagement waren Sabine Lerotic und Markus Pieper, Mitglieder dieser Initiative, an diesem Samstag vor Ort. „Die Museumsbahn ist absolut ehrenamtlich betrieben. Wir sind ein offizieller Verkehrsbetrieb mit allen Auflagen und Pflichten, die jeder Verkehrsbetrieb, wie zum Beispiel Rheinbahn oder WSW, hat. Ohne dieses Ehrenamt gäbe es die Museumsbahn nicht“, sagt Markus. Auch sie wiederholen: Nachwuchs ist leider Mangelware. Außerdem ist der gemeinnützige Verein auf Spenden angewiesen, denn es stehen einige Projekte zur Erhaltung der Strecke – und damit dieser Tradition – an. Für Interessierte bietet sich der 30. August an, dann findet das Familienfest in der Kohlfurth statt.

Eine Utopie braucht Ehrenamt

Das 40-jährige Bestehen der NRW-Stiftung war Anlass für diesen Tag. Seit gut zehn Jahren begleitet die Stiftung Utopiastadt finanziell und ein Blick über das Gelände an diesem Tag zeigt klar, wozu ehrenamtliches Engagement (und finanzielle Unterstützung) in der Lage sind: Der Utopiastadt-Campus würde in dieser Form schlicht nicht existieren. Auch an diesem Samstag fand das wöchentliche „Workout“ statt. In diesem Rahmen arbeiteten Ehrenamtliche im Vorfeld auch daran, das Ehrenamtsfest auf die Beine zu stellen: Die Bühne mit Lautsprechern und Mikrofonen sowie die einzelnen Stände mussten aufgebaut werden – und zwischen all dem wuselten Supaknut und Helfer:innen auch noch am letzten Feinschliff für das diesjährige Supagolf.

Auch dazwischen zu finden: Thomas Schmidt. Er kam vor sechs Jahren nach Wuppertal und fand bei Utopiastadt eine Möglichkeit, anzukommen. Er sagt: „Vielleicht ist das das Besondere an diesem Ort und an ehrenamtlichen Tätigkeiten: Austausch zu haben, zu unterschiedlichen Schichten, unterschiedlichen Altersgruppen, unterschiedlichen Backgrounds. Denn das ist das, was die Gesellschaft insgesamt weiterbringt.“ Dazu ist er sich sicher: Die Menschen brauchen Ehrenamt, und unsere Gesellschaft braucht das Ehrenamt – es ist also eine Win-win-Situation.

Ehrenamt flickt Löcher

Bisher war indirekt von der politischen Dimension des Ehrenamts die Rede, ganz konkret zeigen jedoch die Organisation „Mampferando“, „Tacheles“, „Im Quadrat Wuppertal“ und „Die Linke hilft“, wie politisches Zivilgesellschaftliches Ehrenamt aussehen kann. Ela Weingärtner von „Im Quadrat“ sieht ihre Rolle wie folgt: „Ich mache Flicken über die Löcher. Der Staat hat manche politische Bildung oder manche Gruppen nicht im Blick, deswegen ist es wichtig, dass die Zivilgesellschaft an dieser Stelle aushilft – gleichzeitig darf sich der Staat nicht auf unserem Engagement ausruhen“. Ehrenamt ist unverzichtbar – aber gerade, dass es so unverzichtbar geworden ist, kann auch auf Schwächen staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen hinweisen.

Die positive Stimmung an diesem Tag wurde durch den Beginn vom Supagolf befeuert, und alle Beteiligten sprachen von einem erfolgreichen Tag. Vielleicht wäre ein solches Ehrenamtsfest noch mitten in der Stadt eine gute Idee – so bleibt man doch immer etwas in seiner Bubble und erfährt Zuspruch für Dinge, hinter denen einige sowieso schon standen. Bei all den Gesprächen wurde deutlich: Eine Gesellschaft – und der Mensch selbst – braucht und profitiert sehr von ehrenamtlichem Engagement. Vor allem erweitert es den Horizont und weicht Denkmuster auf, denn bei diesen Tätigkeiten kommen Menschen jeder Couleur zusammen.

Aufbruch am Arrenberg: www.arrenberg.app

Bergische Museumsbahnen: www.bmb-wuppertal.de

Tafel Wuppertal: www.tafel-wuppertal.de/helfen/ehrenamt

Zentrum für Gute Taten: www.zentrumfuergutetaten.de

Tacheles: www.tacheles-sozialhilfe.de

@imquadratwuppertal

Text: Kevin Bertelt

Foto: Kevin Bertelt @kevin_bertelt

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