Das Testzentrum Utopiastadts | im Interview mit Johannes Schmidt

Was machen Kunst- und Kulturorte, wenn ihnen die Grundlage ihrer Existenz durch die fortwährende Ausbreitung der Covid-19 Pandemie genommen wird? Während im letzten Jahr noch möglichst viele Kulturangebote in den digitalen Raum verlegt wurden, kämpfen sich einzelne Orte in Wuppertal nun zusätzlich den realen Raum zurück – zumindest so weit es mit sicherem Abstand möglich ist. Utopiastadt ist einer dieser Orte. Vor 3 1/2 Wochen eröffneten die Utopist*innen das erste Testzentrum an der Nordbahntrasse und im Quartier Mirke. Wir haben uns mit Johannes Schmidt, dem Leiter des neuen Testzentrums, verabredet um ihm einige Fragen über die momentane Situation und dessen Entstehungsgeschichte zu stellen.

Johannes Schmidt in seinem neuentdeckten Element | Foto von Wolf Sondermann

Johannes Schmidt (27) leitet normalerweise den Veranstaltungs- bzw. Kulturbereich und managt die umliegenden Flächen des Utopiastadt Campus. Seit knapp dreieinhalb Wochen leitet er allerdings das neue Testzentrum gegenüber des ehemaligen Bahnhofs Mirke und eröffnet damit täglich 180 Wuppertaler*innen die Möglichkeit ein wenig Gewissheit zu bekommen.

Erinnerst du dich noch an die Zeit als die Öffnung nach dem 2. Lockdown vor uns stand?Als die Perspektive ermöglicht wurde, dass du unter einer Inzidenz von 50 mit einem negativen Test in der Außengastronomie deines Lieblingslokals platz nehmen konntest? Ursprünglich entwickelt sich die Idee des Testzentrums unter genau dieser Perspektive.  Unter den rapide steigenden Zahlen der dritten Welle wurden diese Perspektive seitens der Stadt jedoch sehr schnell wieder gekippt. Bevor die Idee des Zentrums vom Tisch fiel, rief die Stadtverwaltung dazu auf, nach Möglichkeit eigene Testmöglichkeiten zu eröffnen. Nach finanzieller Kalkulation und der Ausschöpfung der Möglichkeiten Utopiastadts, stand der Eröffnung also nichtmehr im Wege. Warum Johannes mit dem Job anvertraut wurde? Er selbst sagt, wahrscheinlich weil es seine Idee war und der Alltag der Leitung eines Testzentrums mit der Durchführung einer ganztägigen Veranstaltung zu vergleichen ist. Zeitschnell anfallende Probleme lösen? Darin ist Johannes zwar geübt, alltäglich kostet es jedoch viel Kraft. Ganz grundsätzlich ist es kein Projekt was Hannes aus Spaß betreibt. Vielmehr treibt ihn die Vision an, so seinen Teil zur Bekämpfung der Pandemie beizutragen und Kontrolle über die Geschehnisse zurückzuerlangen – testen, getestet werden und Kontakt vermeiden ist aufseiten der Zivilgesellschaft wohl der ergiebigste Beitrag! Selbstverständlich ist Johannes aber kein Ein-Mann-Team, denn medizinische Fähigkeiten hat der Utopist nicht in seinem Repertoire. Deswegen suchte er sich Unterstützung von den Ärzt*innen Jan und Britta Stetter. Mithilfe ihrer medizinischen Expertise, wurden die hygienischen Gegebenheiten geschaffen, das Personal geschult und eingewiesen. Damit ist auch abgesichert, dass die bestmöglichen Tests eingekauft, korrekt angewendet und ausgewertet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Testzentren werden hier übrigen Tests durchgeführt, die keinen Nasen-Rachen-Abstrich benötigen, sondern nur einen aus dem vorderen Nasenbereich. Das trägt unter anderem dazu bei, dass die Testbereitschaft steigt. 

Anfangs wohl eine etwas ungewöhnliche Situation | Foto von Wolf Sondermann

Die Existenz des Testzentrums hat aber nicht nur Auswirkungen auf die vielen Wuppertaler*innen die sich hier testen lassen. Auch den Utopist*innen wird damit die Möglichkeit eröffnet, und ehrenamtliche Arbeit in Zeiten der Pandemie sicherer gemacht. Das ermöglicht ein wöchentliches internes Sanierungs-Workout mit gutem Gefühl, ersetzt Abstand und Maske jedoch nicht. Johannes ist es allerdings auch wichtig, dass Utopiastadt mit dem Testzentrum ein Zeichen sendet. Die Pandemie nach eigenen Möglichkeiten zu bekämpfen und somit einem Beitrag zum Gemeinwohl beizutragen ist utopischer, als die Türen zu schließen und abzuwarten bis alles vorbei ist – vorausgesetzt es gäbe Utopiastadt unter diesen schwierigen finanziellen und sozialen Bedingungen dann noch. Apropos Existenzen: Die Mitarbeiter*innen des Testzentrums wurden in ihrem herkömmlichen Arbeitsleben allesamt von den Auswirkungen der Pandemie eingeschränkt. Hier arbeiten Musiker*innen, neben Student*innen und Tontechniker*innen. Die Arbeit im Testzentrum ermöglicht es ihnen finanzielle Mittel zu sichern und somit auch in Zukunft ein Dach über den Kopf zu haben.

Angesichts des recht großen Zeitraumes, bis allen Altersgruppen ein Impfangebot gestellt wird, möchte Johannes die Testung möglichst alltäglich werden lassen. In diesem Sinne ist es angedacht die Testkapazitäten wesentlich auszuweiten und somit noch mehr Wuppertaler*innen die vermeintliche Sicherheit einer getesteten Momentaufnahme zu gewähren – die Nachfrage ist allgegenwärtig und das Zentrum bereits mehrere Tage im Voraus ausgebucht. Im Zuge des guten Wetters der vergangenen Wochen konnte man auf diesen Zustand bereits einen Vorgeschmack erhaschen. Sich testen zu lassen, dabei Musik aus der Boombox zu hören und sich mit gutem Gefühl samt Kaffee in die Sonne zu setzen? Im Quartier ist das bereits möglich. Und tatsächlich konnte das Testzentrum Utopiastadts in den letzten Wochen bereits sieben Wuppertaler*innen davon abhalten mit einer Infektion die Familie zu besuchen. Das scheint vorerst eine kleine Zahl zu sein, die möglichen Auswirkungen durch die Unterbindung der Ansteckung sind jedoch enorm. Die lockeren Formulierungen und Regelungen der Landesregierung, im Falle einer positiven Testung, spielen eine essenzielle Rolle. Es ist zwar vorgegeben, was eine positiv getestete Person zu tun hat, jedoch nicht wie sie z.B. von A nach B kommt. Im Bezug darauf wünscht sich Johannes sichere Rahmenkonstrukte für die Betreiber*innen der Testzentren. Insbesondere in Anbetracht der Wirkungskraft dieser Orte und unter der Perspektive, dass in Zukunft hoffentlich noch viele weitere eröffnet werden.

Für mehr Tests und eine geringer Ausbreitung der Pandemie | Foto von Wolf Sondermann

Was bleibt also zu sagen. Das Testzentrum Utopiastadts ist ein Versuch aktiv zu werden. Ein Versuch sich nicht von der anscheinenden Unmöglichkeit etwas beitragen zu können lähmen zu lassen. Jetzt bleibt es an uns diese Möglichkeiten wahrzunehmen, weiterhin möglichst Abstand zu halten und an der Landesregierung die finanziellen Risiken für neue Testzentren zu minimieren. Wir freuen uns darüber, dass es nun eine Testmöglichkeit in Quartier gibt und hoffen darauf, dass diese in Zukunft noch mehr Wuppertaler*innen und Quartiersbewohner*innen zugutekommt. Falls auch du einen Termin vereinbaren möchtest [Link zur Homepage] oder mehr über das Testzentrum und Utopiastadt erfahren möchtest, schau doch mal auf ihren Social Media Kanälen [Facebook | Instagram] oder der Homepage [Homepage] vorbei. Bleibt gesund!

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