WOLF UND MOSCHE: ESSEN … IM MARINES

An einem späten Freitag Nachmittag treffe ich mich gemeinsam mit Wolf und seiner Tochter auf einem Parkplatz im Quartier. Das Wetter hellt nach dem kalten und nassen Winter langsam auf und die Bäume lassen bereits ihre ersten grünen Sprossen erahnen. Heute sind wir im Kultlokal „Marines“ verabredet. Das alte Textilfabrikantenhaus auf der Wiesenstraße, Ecke Gathe, lässt erahnen wie prachtvoll es im Inneren wohl aussehen mag. Die Fassade ist liebevoll mit Stuck verziert, der an einigen Stellen von kletternden Pflanzen überwuchert wird. Wir betreten die Einfahrt des Marines und schlüpfen durch die Tür ins Innere – hier werden wir bereits erwartet. Maria del Mar Marin Cabanas, liebevoll auch Merry gennant, sitzt mit ihrer Schwester Mercedes an der Theke und plaudert. Wir begrüßen uns freundlich und nach einer kleinen Tour durch die Räumlichkeiten nehmen wir bei einem Getränk unserer Wahl an einem Tisch im hinteren Bereich Platz.

shot by Wolf Sondermann

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Es ist gemütlich im Marines und das hat einen Grund. Als Merry die Räumlichkeiten 2007 vom vorherigen Betreiber des „Hasrets“ übernahm, musste viel getan werden um den Laden nach Merrys Vorstellungen zu restaurieren. Die Wände wurden aufgearbeitet, die Stuckdecken freigelegt und auch das dunkle Holzparkett hat eine Menge Arbeit vertragen. Merry hat sich damals sofort in den Laden verliebt. Neben der perfekten Größe war es ihr wichtig das alte Fabrikantenhaus vor der Umwandlung in eine weitere Spielhalle auf der Gathe zu retten. Und das hätte sie nicht besser machen können. Inzwischen knarzt das Parkett bereits seit 12 Jahren unter den Füßen der begeisterten Besucher*innen des Marines. Der Raum ist von einem wunderbar appetitlichen Duft erfüllt, frische Blumen stehen an der Theke und der Gastraum füllt sich langsam. Die urigen Holzvertäfelungen in Kombination mit dem dunklen Paket und den Stuckdecken versprühen einen Charme der selten zu finden ist. Es ist gemütlich, ein wenig imposant und gleichzeitig bodenständig! Im Sommer gibt es außerdem die Möglichkeit im märchenhaften Hinterhof zu speisen. Dort ist vom Verkehrschaos der Gathe nichts zu hören. Ranken klettern an den verputzen Backsteinwänden empor und ein kleiner Baum wächst in der Mitte des Außenbereichs. Besonders in sommerlichen Abendstunden ist es hier sehr atmosphärisch. 

shot by Wolf Sondermann

Das Marines ist kultig. Wuppertaler*innen lieben den Charme und die menschliche Nähe des Restaurants, die nicht zuletzt durch die familiäre Atmosphäre entsteht. Während Merry die Gäste empfängt, die Theke leitet und gerne mal im Service einspringt, tobt sich Mercedes in der Küche aus. Merrys Schwester ist seit Beginn fester Bestandteil der Küche des Marines. Die Besucher*innen lieben ihre mediterranen und abwechslungsreichen Kochkünste. Wir dürfen einen Blick in die Küche wagen und schnell wird klar warum das Marines so beliebt ist. Hier wird fast ausschließlich mit frischen und regionalen Bio-Produkten gekocht. Der Einfluss aus der spanischen Küche ist unverwechselbar, jedoch ist es den beiden wichtig, dass sie immer wieder rumexperimentieren und Einflüsse außerhalb des mediterranen Raums mit einfließen lassen. Das ist nur möglich, weil die Gerichte auf eine bestimmte Anzahl limitiert sind und die Karte demnach täglich wechselt. Welche Gerichte es auf die Karte schaffen, das bestimmten Merry und Mercedes in geschwisterlicher Zusammenarbeit. Auf die Frage was Merry uns empfehlen würde, antwortet sie mit „Pulpo a la gallega“. Diese galizische Spezialität, aus der Heimat der Geschwister, besteht aus den Tentakeln einer Seekrake die gekocht und danach mit Kartoffeln und feinsten Gewürzen angebraten werden. Aber auch für Vegetarier*innen, Veganer*innen und Allergiker*innen zaubert Mercedes Leckereien. Alle Gerichte werden liebevoll und in Handarbeit von Mercedes angerichtet sodass die Küche nur Teller verlassen, denen Auge und Gaumen ein Kompliment aussprechen. Das wechselnde Angebot erfindet alte Klassiker immer wieder neu – mit einem von Hauch Raffinesse und Experimentierfreudigkeit. Merrys Anspruch geht jedoch über einen sympathischen Service und eine gute Küche hinaus. Sie legt außerdem besonderen Wert auf eine umfassende und exquisite Weinauswahl. Bereits im Eingangsbereich des Marines prangern gut 50 verschiedene Flaschen Wein, die von einem befreundeten Sommelier ausgewählt und auf das Essen abgestimmt wurden. Gerade deswegen ist das Marines besonders für sein Weinangebot bekannt und ein absoluter Geheimtipp unter Weinkenner*innen.

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Merry will hier nicht weg und das schon seit einer Zeit bevor das Mirker Quartier hipp wurde. Trotz der teils zwielichtigen Gathe und der Vielzahl an Spielhallen fühlt sie sich hier wohl. Als Mehmet, der Besitzer des Ada, ihr vor 12 Jahren den Laden vermittelte, konnte man sich kaum vorstellen wie stark sich das Mirker Quartier verändern wird. Damals war der Ausbau der brachliegenden Bahntrasse zur Nordbahntrasse noch undenkbar. Selbst der Mirker Bahnhof und der Bahnhof Blo glichen unbelebten Ruinen. Schwer vorstellbar wenn man das Quartier heute sieht. Aber Merry glaubte an das Quartier und die Vernetzung von lokalen Akteur*innen. Sie liebt die Diversität des Quartiers die, nach ihrer Aussage, gemeinsam mit einem grundsätzlich linken Flair zum guten Klima innerhalb des Quartiers beiträgt. Auch die nachbarschaftliche Nähe zum Café ADA lässt in ihr keinen Konkurrenzgedanken aufkommen. Merry ist der Auffassung, dass Vielfalt das Geschäft belebt und das scheint sich in den vergangenen 12 Jahren bewährt zu haben. Gemeinsam beleben die Gastronomien auf der Wiesenstraße, Ecke Gathe, diese Region des Quartiers und bringen somit immer mehr kreative und begeisterte Menschen in die Mirke. Eine echte Chance!

Bevor wir gehen stellt Wolf selbstverständlich noch die unvermeidbare Frage: „Wenn das Mirker Quartier ein Tier wäre, welches wäre es dann?“. Entgegen meiner Erfahrung antwortet Merry recht schnell mit „ein Huhn!“. Warum ein Huhn? Weil es ein bodenständiges Tier ist, das jederzeit Acht auf seine Kleinen gibt. Ein schönes Synonym für ein Quartier in Wuppertal, das sich mit Hilfe von bürger- und nachbarschaftlichem Engagement immer weiter vernetzt und somit aus der Gemeinschaft einen weiteren Mehrwert für das Quartier schafft. Nach dieser Frage endet unser Besuch im Marines. Wir trinken die letzten Schlücke aus unseren Gläsern, verabschieden uns von Merry und Mercedes und verlassen die Räumlichkeiten des Lokals. Draußen ist es bereits dunkel geworden und die Gathe erwacht in den Abendstunden zum Leben. Gemeinsam unterhalten wir uns bei einer Zigarette noch über den vergangenen Besuch im Marines.

shot by Wolf Sondermann

Das Marines ist ein absoluter Kultladen im Mirker Quartier. Bei gemütlicher Atmosphäre wird hier für alles und jeden etwas geboten – ob Fleisch- und Fischliebhaber*in, Vegetarier*in, Veganer*in oder Allergiker*in. Die frisch zubereiteten Gerichte von Mercedes werden durch eine besonders exquisite Weinauswahl erweitert und schaffen somit ein Rund-um-Wohlfühlpaket. Falls auch du in Zukunft in den Genuss des Marines kommen willst, dann schau doch einfach hier auf der Homepage vorbei. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert vor deinem Besuch anzurufen und einen Tisch zu reservieren, denn das Marines ist schnell voll besetzt!

Geheimtipp: Im Sommer draußen im Innenhof sitzen und bei sommerlichen Temperaturen ein wunderbares Essen genießen!

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