Expedition:Raumstation hebt ab | Zwei Container voller Ideen und Innovation

Es gibt wohl keine Stadt auf diesem Planeten die es so schnell nach ihrer Gründung wagte eine Raumstation zu errichten wie Utopiastadt. Seit dem der historische Bahnhof Mirke in utopischen Besitz übergegangen ist, wachsen auch die Ambitionen der Utopist*innen mit. Die umliegenden, ehemaligen Flächen der Bahntrasse sollen zu einem Utopiastadt Campus transformiert werden auf dem Platz für bürgerschaftliche Quartiersentwicklung geschaffen werden soll. Seit April 2018 wird dies explizit auf der Utopiastadt Campus Raumstation, liebevoll aus USCRS genannt, getan. Hier treffen verschiedenste Themen und Module in Form von belebten Containern aufeinander. Eine vielfältiges Sammelsurium aus Ambitionen und Freude am Experimentellem hält die Raumstation am laufen und lässt sie wachsen. Neben der Aquaponikanlage „Farmbox“ finden Besucher*innen und Interessierte hier gastronomische Angebote, den kostenlosen Fahrradverleih, eine baldige Fahrradgarage für das Fienchen, einen alten Aufbau eines Feuerwehrautos und und und. Neuzugang auf der Raumstation ist die Expedition:Raumstation, die einen Schritt in noch nicht erforschte Gebiete wagt. Die Crew, bestehend aus experimentierfreudigen Wuppertaler Unternehmer*innen, Quartiersbewohner*innen, Akteur*innen und Wissenschaftler*innen. Gemeinsam haben sie Großes vor und steckt bereits mitten in der Umsetzung ihrer Expedition. Um mehr über das Vorhaben zu erfahren habe Wolf und Ich uns mit den Initiator*innen, Achim Konrad und Karoline Augenstein verabredet.

Auf auf in den unbekannten Raum – Utopist*innen und Forscher*innen des Projekts „Urban Up“ heben ab | Foto von Wolf Sondermann

Gesagt, getan. Wir treffen uns am einem Mittwoch Mittag im Café Hutmacher. Achim Konrad ist Mitarbeiter der Utopiastadt gGmbH und leidenschaftlicher Utopist. In seiner Rolle kümmert er sich um die Projektkoordination und das anfallende Tagesgeschäft der Expedition:Raumstation. Karoline Augenstein ist Junior Professorin für Politikwissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus verschiedensten Fachbereichen forscht sie außerdem im Projekt „UrbanUp“ des Zentrums für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) zum Thema „Sharing Economy“. Über dessen Auftaktveranstaltung im Bahnhof Bio wir übrigens hier berichtet haben.

Aber erstmal zum Anfang. Was geschieht hier überhaupt?
Im April diesen Jahre setzten sich Utopist*innen und Wissenschaftler*innen des Forschungsprojekts „UrbanUp“ an einen Tisch. Sie wollen gemeinsame Sache machen und damit einen Mehrwert für das Quartier, Utopiastadt, die Wissenschaft und mögliche Nachahmer schaffen. Eine Symbiose aus Wissenschaftler*innen, die Sharing Economy und nachhaltige Stadtentwicklung erforschen wollen, in Kombination mit den Utopist*innen, die mit ihrer Arbeit einen experimentellen Ort der gelebten Stadtentwicklung schaffen, funktioniert. Die Idee der Expedition:Raumstation wird geboren. Mit der grundlegenden Frage „Wie kann man das Teilen für nachhaltige Entwicklung eines Quartiers nutzen?“ wird ein Schritt in Richtung Praxis gewagt. Im Juli landen zwei silberglänzende Container auf dem Utopiastadt Campus und docken an die Raumstation an. Während in dem einen Container Platz für das wissenschaftliche Arbeiten, im Sinne einer Büro Fläche, vor Ort geschaffen wird, steht der zweite Container offen für die Ideen der Wuppertaler*innen. Nach einer Ausschreibung über lokale Medien bewirbt sich eine Vielzahl an Wuppertaler Unternehmer*innen, Interessierte, und Experimentierfreudige, die sich in ihrem Tun und Arbeiten in dem Container ausprobieren wollen. Die ausgewählten Projekte werden im Zeitraum der Umsetzung durch die Wissenschaftler*innen begleitet.

(v.l.) Achim Konrad, Karoline Augenstein, Niklas Bründermann, Philipp Lutz und Charlotte Brünger vor den Containern der Expedition:Raumstation | Foto von Wolf Sondermann

Da thematisch kein Rahmen gesetzt ist, sind die Projekte die in 2 zwei bis 4 wöchigen Zeiträumen in den Container der Expedition:Raumstation einziehen vielfältig. Mit von der Partie waren bis dato ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, initiiert durch einen Elfjährigen, sowie das Designlabel und Ölberger Siebdruckerei „mithandundherz“. Neben dem Verkauf ihrer eigens designten Kleidungsstücke, bieten die Ölberger*innen außerdem Produkte des nachhaltigen Lebens an und besticken die Kleidung der Besucher*innen mit dem Schriftzug „Utopist“. Aber die Palette der Projekte wird in Zukunft noch wesentlich facettenreicher. In dem kommenden Monaten zieht zum Beispiel eine Craftbeer Brauerei in die vier Metallwände ein. Den Hobby-Bierbrauer*innen wird der eigene Keller zu klein und außerdem wollten sie ihr Hobby als Geschäftsmodell ausprobieren. Ob es demnächst Raumstations-Bräu geben wird? Die Zeit wird es zeigen. Aber auch der Bio Onlineshop „DeinBioShop“ wird in dem Container ein neues Zuhause finden. Für den Onlineshop dient der neu erschlossene Raum als Showroom für die Produkte, die in der Onlinewelt erworben werden können. Zwei quartiersbekannte Akteur*innen werden den Container in Zukunft außerdem als Pop-Up Büro für praktische Transformation neu erfinden. Hier wird Stadtentwicklung künstlerisch gedacht und in Workshopformaten ausformuliert. Das Ganze im Zeitraum von Mitte Juli bis Ende Oktober 2019. Die Akteur*innen selbst zahlen für die Nutzung der Container nur einen symbolischen Euro Miete für den Projektzeitraum, sowie 5€ Nebenkosten pro Tag und Stromkosten nach Zählerstand. Obwohl die Resonanz überraschend positiv ausfiel, sind die Initiator*innen der Raumstation dennoch froh über weitere Projektideen, ganz besonders gerne aus dem Quartier selbst. Trotz der Ambitionen von Achim Konrad, die Expedition:Raumstation als Anknüpfungspunkt für Quartiersbewohner*innen und Akteur*innen aus dem Quartier an Utopiastadt zu nutzen, ist die Resonanz aus dem Quartier selbst bisher eher klein geblieben.

Mit Hilfe dieser Fragekarten werten die Forscher*innen aus, wie die Besucher*innen Utopiastadt und Sharing Economy verstehen | Foto von Wolf Sondermann

Doch inwiefern wird zu der Expedition:Raumstation geforscht und was hat die Eröffnung eines bisher noch nicht erschlossenen Raumes mit dem Konstrukt des Teilens zu tun?

Das Forschungsprojekt „UrbanUp“ samt seiner ambitionierten jungen Forscher*innen interessiert die Möglichkeit der Bewirtschaftung eines urbanen Raums der zu gleich Nachbarschaft, Gemeinschaft und Austausch zulässt. Innerhalb dieser Expedition treffen Gegensätze aufeinander. Ein nicht-kommerziell genutzter Raum wird zu Teilen kommerzialisiert. Entsteht daraus ein Mehrwert und wenn ja für wen? Funktioniert das überhaupt und wenn ja, auf was muss besonders geachtet werden? Aber auch Fragen wie die Schaffung von Aufenthaltsqualität ohne Konsum interessiert die Forscher*innen. Innerhalb des Minikosmos Expedition:Raumstation erheben die Forscher*innen ihre Daten und Eindrücke auf vielen Wegen. Zum Beispiel durch begleitende Gespräche mit den Teilnehmer*innen und den Beobachtung derer. Warum macht man überhaupt bei einem solchen Experiment mit? Was erhoffen sich die Teilnehmer*innen davon mit ihren Projekten in den öffentlichen Raum zu treten und was ergibt sich daraus? Des Weiteren sind die Wissenschaftler*innen auf die Meinung und Impressionen der Wuppertaler*innen angewiesen. Vor Ort gibt es die Möglichkeit die eigenen Eindrücke und Wahrnehmungen auf vorgefertigten Fragekarten festzuhalten. Neben den festen Öffnungszeiten der Raumstation können diese Karten im Café Hutmacher ausgefüllt und in einen Briefkasten eingeworfen werden. Nach Umsetzung der Expedition:Raumstation werden mit den erhobenen Daten, neben wissenschaftlichen Publikationen und einer reflektierenden Broschüre, ein Ergebnis entstehen, dass exemplarisch aufzeigt wie die Erschließung von urbanen Räumen ohne Verdrängung funktionieren kann. Damit nehmen sich die Forscher*innen vor in Zukunft auch anderen Städten eine Handlungsgrundlage an die Hand zu geben.

Mit dem Projekt wird ein alternativer Wirtschaftsstandort aufgezeigt.“ Achim Konrad, Projektleiter der Expedition:Raumstation und leidenschaftlicher Utopist

Die zwei silbernen Container werden auch nach Abschluss der Expedition an Ort und Stelle verweilen. Was genau damit geschieht, ob sie zu nötiger Lagerfläche umstrukturiert werden, oder ob eventuell eine fortlaufende Expedition ohne wissenschaftliche Begleitung manifestiert wird, steht noch in den Sternen. Bisher gilt die Expedition als Projekt wie es im Buche steht, mit Anfang und Ende, und das gefällt Achim Konrad auch.

Die Expedition in unbekannte Gefilde birgt eine Menge Potential in sich. Sie könnte den Anfang für ein völlig anderes Lebens- und Wirtschaftsmodell begründen. Falls du ein Projekt hast, das du gerne während der Expedition umsetzen möchtest, dann melde dich doch einfach mit einer Projektskizze via Mail bei Achim unter andocken@utopiastadt.eu. Die Zeiträume in der die Expedition noch nicht bemannt ist, findest du hier auf der Homepage von Utopiastadt. Vielleicht gibt es ja demnächst ein nachhaltiges Kiosk direkt an der Trasse, oder einen Eisladen – wer weiß was die Expedition hervorbringt?
Die Forscher*innen des Projekts „UrbanUp“ sind jeden Mittwoch Nachmittag von 12-18 Uhr vor Ort. Hier werden dir deine Fragen beantwortet, über das Leben auf dem Campus gequatscht und fleißig Karten ausgefüllt. Gestalte mit und partizipiere durch deine Wünsche und Meinungen!

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.