Schankwirtschaft Marlene | die Kultkneipe auf der Hochstraße

Die „Schankwirtschaft Marlene“ ist ein unabdingbarer Teil des Wuppertaler Nachtlebens. Bereits seit 36 Jahren belebt sie die Hochstraße, sorgt für frischen Wind in der Szene und stellt einen Dreh- und Wendepunkt verschiedener Lebensweisen in der Talstadt dar. Ein großer Teil dieser Errungenschaften ist wohl Uwe Dresen, dem Besitzer der Kneipe zuzusprechen. Als Koryphäe des Nachtlebens und Urwuppertaler erschafft er diesen Ort seit geraumer Zeit, gemeinsam mit seinen Helfer*innen. Wir haben uns von Uwe und seinem Mitarbeitenden Sascha auf eine coronakonforme Zitronenlimonade einladen lassen um mehr über die Marlene, ihren Charme und die momentane Situation zu erfahren.

Uwe Dresen in seiner Gaststätte | Foto von Wolf Sondermann

Uwe Dresen ist Wirt der Schankwirtschaft Marlene und eine Koryphäe des Wuppertaler Kneipenlebens. Spricht man mit ihm, so hat man das Gefühl er kenne das ganze Tal und das ganze Tal kenne sich. Die Namen und Geschichten fließen nur so aus ihm heraus, und schaffen eine ganz besondere Atmosphäre im Raum. Irgendwo zwischen herzlich, ein wenig schroff, einem Hang zum humoristischen und purer Ehrlichkeit ohne Blatt vorm Mund. Nachdem er sich vor einiger Zeit aus dem alltäglichen Kneipenleben zurückzog, ist er ohne seine vielen Helfer*innen aufgeschmissen. Einer dieser Helfer*innen ist Sascha Schäfner. Wenn er nicht gerade als Stadtverordneter für die Grünen im Stadtrat sitzt, steht er hinter der Theke der Marlene und umsorgt dessen Gäste.

Die Schankwirtschaft Marlene ist ein aussterbender Dinosaurier in unserer Zeit. Seit über 35 Jahren stehen die Türen des Lokals bereits offen und demnach steckt eine Menge Leben in dem urigen Thekenblatt der Marlene. Der außergewöhnliche Ort ist jedoch weit mehr als bloße Kneipe. Er ist ebenso Wohnzimmer, Kulturort und ein Raum der Begegnung. Hier treffen verschiedene Kulturen und Generationen aufeinander und auch immer mehr Kunst- und Kulturschaffende genießen den Charme des Lokals. Konsequenz dessen sei, dass einige Besucher*innen inzwischen nach der Weinkarte fragen – hier gibt es jedoch nur roten und weißen Wein. Oberste Maxime der Marlene: Hier drin ist jeder gleich, darauf könne man Gift nehmen, sagt Uwe. Toleranz und Akzeptanz werden hier schon immer großgeschrieben, zumindest so lange die Besucher*innen diese Eigenschaften auch mit sich bringen. Wer diskriminiert, der fliegt! Uwe selbst beschreibt einige seiner Gäste als skurril. Trotz alledem plädiert er für Akzeptanz. Denn Menschen, die nicht der Norm entsprechen, seien „das Salz in unserer Sozialität. Das ist wichtig – man brauch solche Leute“.

„Das Kind muss nen Namen haben – ich sach’ Marlene!“ – so Uwe Dresen, Besitzer und Kneipier der „Gastwirtschaft Marlene“.

Die Marlene bringt diesen gewissen Charme zwischen Rauheit, Einfachheit und dem Gefühl Willkommen zu sein mit sich. Hier haben Stammgäst*innen eben noch ihren ganz eigenen Platz an der Theke. Ist der besetzt, wenn besagte Stammgäst*innen das Lokal betreten, ernten die Platzbesetzer einen grummeligen Blick und einen Spruch. Doch das Team um Uwe hat immer ein offenes Ohr für ihre Besucher*innen. Sascha ergänzt, es fehle eigentlich nur noch die Kassenzulassung und der Laden liefe perfekt.

leere Tische im hinteren Gastraum | Foto von Wolf Sondermann

Auch wenn Uwe wie der geborene Kneipier erscheint, so ist ihm diese Rolle eher unverhofft zuteil geworden. Als er vor 36 Jahren begann in Wuppertal bzw. Düsseldorf zu studieren, arbeitete er nebenbei als Kellner in einigen Wuppertaler Kneipen. Es entsprang die Lust sich selbst auszuprobieren und einen eigenen Raum zu erschaffen. Gesagt, getan wurde er sehr kurzfristig Besitzer der „Schankwirtschaft Marlene“ – damals wohlgemerkt noch einige Hausnummern unterhalb des heutigen Standortes. Nach einer Weile des Ausprobierens hing er seine zukünftige Karriere als Diplombiologie an den Nagel und gab sich dem Nachleben in Vollzeit hin. Die „Schankwirtschaft Marlene“ hat ihren Ursprung übrigens nicht in dem Namen des Wirts. Vielmehr ist sie eine Widmung an die Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich. Ursprünglich sollte die Kneipe eigentlich „Skandal“ heißen. Doch aufgrund des aufkommenden Bezugs zur damaligen Punk-Szene wählte Uwe einen anderen Namen. Tatsächlich steckt hinter dem Namen weniger als die meisten denken. Zeitlicher Druck anlässlich der Eröffnung führte dazu, dass der Namen recht schnell gefunden werden musste. Da ihm Marlene Dietrich mit ihrem androgynen und direkten Auftreten immer imponierte, fiel die Wahl auf ihren Vornamen – „das Kind muss nen Namen haben – ich sach’ Marlene!“, so Uwe.

Seitdem hat sich so einiges im Kneipendasein verändert. Damals war das Kneipenleben noch ein wenig rauer und exzessiver. Neue Formen der allgegenwärtigen Vernetzung führen zu einer Veränderung der Vernetzung selbst. Während man sich früher noch fast täglich in die Kneipen begab, um über die Geschehnisse des Tages zu sprechen, gemeinsam zu spielen und neue Menschen kennenzulernen, ist Kneipe heute eher eine Option der Vernetzung außerhalb der digitalen Welt. Das resultierte letztendlich in weniger Kneipenbesucher*innen und einer veränderten Art Kneipe wahrzunehmen. In der Schankwirtschaft Marlene ist der alte Charme jedoch erhalten worden – ganz ohne nostalgisches Schwelgen im Vergangenen. Sie schafft Raum, um sich selbst zu entfalten und sich auszutoben. Zur Eröffnung der Marlene ging es hier noch wesentlich exzessiver zu, inzwischen wird allerdings nicht mehr alles toleriert. Trotzdem kann es hier und da mal passieren, dass etwas nackte Haut gezeigt wird oder ein schrofferer Ton ausgepackt wird.
Uwe ist der Meinung, dass das Konzept Kneipe an sich überholt sei. Gemütliche Eckkneipen und der ganz eigene Flair der an diesen Orten herrscht, ist rar geworden. Dabei sind gerade diese Orte ein erhaltenswerter Fleck der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens. Das allgegenwärtige Kneipensterben schränkt Uwe in Bezug auf seine ganz eigenen Präferenzen, deshalb immer weiter ein. In Bezug auf sein Arbeitsleben als Wirt, kann er dem Wandel allerdings auch etwas abgewinnen: Er klagt nicht im ewig Gestrigen, sondern nimmt sich mit seiner besonderen Art dem Neuen an. 

Marlene Dietrich ist unübersehbarer Teil des Lokals | Foto von Wolf Sondermann

„Ob ich die 1,50€ für das Bier von einem Kommunisten einem Konservativen oder einem Sozialisten nehme spielt hier keine Rolle!“ – so Uwe Dresen, Besitzer und Kneipier der „Gastwirtschaft Marlene“.

Apropos Neues. Die anhaltende Pandemie veränderte das Kneipenleben noch einmal um 100% und macht es für geraume Zeit unmöglich. Anfangs hätte Uwe nie damit gerechnet seinen Laden aufgrund der steigenden Infektionszahlen schließen zu müssen. Als dem allerdings so wurde, begab er sich testweise ins Rentnerdasein und überließ die Marlene sich selbst – zumindest fast. Er nutzte die ersten Wochen für kleinere Renovierungsarbeiten und räumte den Laden ein wenig auf. Die anschließende Phase nach dem ersten Lockdown nahm Uwe eher als Beschäftigungstherapie wahr, anstatt sie als Kneipendasein bzw. finanziell-lohnend zu deklarieren. Das bedeutet nicht, dass Uwe die Maßnahmen generell verteufelt, vielmehr ist er ein Freund des Ganz oder Garnicht. Ein Großteil der Gäst*innen unterstütze die Marlene in diesen Zeiten und nutzen auch die Öffnung unter Richtlinien um sich in die Lieblingskneipe zu begeben. Die Marlene ist jedoch keine Kneipe, in der normalerweise ruhig am Tisch gesessen wird. Stattdessen ist sie ein lebendiger Ort, der besonders in den Nachtstunden ihren ganz eigenen Charme entwickelt – unter den Richtlinien ist dies jedoch nicht umsetzbar. Die Folge des zweiten Lockdowns ist, dass der Laden seit über 4 Monaten nur von Uwes Putzfachkraft betreten wurde. Es ist verrückt sich dem Gedanken hinzugeben, dass diese Orte, die normalerweise voller Leben stecken und eine Stadt lebenswert machen, in Zeiten der Pandemie zu leeren Räumen werden. Generell erfahren wir in den Gesprächen mit den Wirt*innen im Quartier jedoch einen grenzenlosen Optimismus, der dazu anregt die Situation hinzunehmen und das Beste daraus zu machen – bei Uwe sieht es nicht anders aus. Er ist dankbar für die Unterstützung die er vonseiten der Gäst*innen und den Hilfen des Staates erfährt. Doch so langsam drängt der Aktionismus und die Hoffnung baldig wieder Gäst*innen in der Marlene zu empfangen steigt.

Uwe Dresen in seiner Gaststätte | Foto von Wolf Sondermann

Uwe verabschiedet uns mit einer letzten Botschaft bevor wir die „Schankwirtschaft Marlene“ verlassen: „Mensch bleiben!“ – wir versuchens. Die Marlene ist wirklich ein ganz besonderer Ort in Quartier. Wuppertaler*innen die noch nicht in den Genuss von Uwes herzlicher Art gekommen sind, sollten die nächste Möglichkeit ergreifen und der Marlene nach dem Lockdown einen Besuch abstatten. Orte wie dieser machen Wuppertal lebenswert und schaffen einen Charakter, der nirgendwo anders zu finden ist. Falls ihr mehr über die Marlene erfahren wollt, schaut doch hier auf ihren Social Media Kanälen [Facebook] vorbei!

Ein Kommentar

  • Pauls Tochter Tanya :)

    Ein wichtiger Teil Wuppertals, Uwe & seine Marlene. Wenn Du Gäste außerhalb Wuppertals zu Besuch hast, ist der Besuch und das Getränk dort Pflicht!
    Besser, unterhaltsamer und nachhaltiger geht es kaum.
    Zudem gehört für mich Uwes „Kiiinder“ und sein enormes Allgemeinwissen zu einem leckeren Whiskey dazu.
    Ein toller Typ, in jeder Hinsicht und das Marlene, der Inbegriff von „urig“

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