Wolf und Mosche: Spielen … im Warhammerstore auf der Friedrichstraße

Es ist ein sonniger Tag in Wuppertal. Menschen sitzen in Cafés, genießen die Sonne und schlürfen Kaffee. Ich treffe Wolf in einem dieser Cafés in der Innenstadt. Auch wenn die Zeit nicht ganz auf unserer Seite ist, bereiten wir uns gemeinsam auf den anschließenden Termin vor. Am heutigen Tag stecken wir unsere Köpfe samt Kamera und Diktiergerät in eine etwas andere Welt. Eine Welt in die Begeisterte bereits seit 30 Jahren viel Liebe zum Detail und Unmengen an Zeit gesteckt haben, während die meisten Menschen auf dieser Welt noch nie davon gehört haben. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Friedrichstraße. Am Rande des Quartiers, an der Mündung der Friedrichstraße in die Karlstraße, angekommen betreten wir die etwas andere Welt – den Warhammershop in Wuppertal.

Der Warhammerstore von außen – ein Tor in eine andere Welt | Foto von Wolf Sondermann

Freundlich werden wir von Thomas empfangen. Ein großer dunkelhaariger Mann mit Kinnbart, einer Brille auf der Nase und einem sympathischen Lächeln. Der gelernte Bürokaufmann beschäftigt sich seit seiner frühen Jugend mit Rollen- und Tabletop Games. Vor ein paar Jahren hat der siebenunddreißigjährige seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit dem arbeitet er nicht nur in seiner Freizeit an seiner Figurensammlung, sondern hilft auch anderen begeisterten Spieler*innen und Interessierten bei Fragen rund um die Tabletop Games der Firma „Games Workshop„. Nachdem wir uns begrüßt haben schauen Wolf und Ich uns erstmal um. Wir stehen in einem Meer von Miniaturfiguren – eine ausgefallener als die andere. An den Wänden prangert eine riesige Auswahl an Bastelsets für neue Figuren. In Schaufenster stehen Vitrinen voller Figuren die in Handarbeit von Kund*innen zusammengestellt und bemalt wurden. Neben den Armeen die aus dem Fantasyabenteuer „der Hobbit“ bekannt sind, stehen Fantasiefiguren aus dem Warhammer Universum, das bekannteste Tabletop Spiel des Herstellers „Games Workshop“. Geisterähnliche Figuren in grauen Gewändern mit Sicheln in der Hand stehen ritterähnlichen Figuren mit Schwertern gegenüber. Miniatur Death Guard Marines treten Space Marines, eine Art Militär der Zukunft, gegenüber. Kaum vorstellbar wieviel Zeit und Liebe im Detail darin stecken muss.

Wolf schaffte es Thomas ein Lächeln zu entlocken | Foto von Wolf Sondermann

Aber was sind Tabletop Games überhaupt?
Tabletop Games stammen aus einer Zeit in der die Spieleindustrie rudimentärer nicht hätte sein können. Wer damals in eine andere Welt abtauchen wollte, griff zu Stift und Papier oder bastelte sich seine Figuren sowie das Spielfeld einfach selbst. Auf diesem Prinzip basiert das Tabletop Genre. Die Figuren werden in einfarbigen Bausets erworben, mit Hilfe einer Bastelzange mit Fingerspitzengefühl zusammengeklebt und anschließend in liebevoller Eigenarbeit nach den Belieben jede*r einzelnen Spieler*in angemalt. Jede Armee gehört einem eigenen Volk an, das wiederum ein eigenes Regelbuch besitzt. In diesem Regelbuch werden die Besonderheiten der Völker festgeschrieben. Ein festgelegtes Spielfeld hingegen gibt es in diesem Genre nicht. Spieler*innen bauen sich ihre Spielfelder anfänglich meist aus Haushaltsgegenständen selbst. In der Szene ist es jedoch üblich mit Hilfe der eigenen Vorstellungskraft und einem Händchen für Feinarbeiten ein eigenes Spielfeld zu modellieren. Dann findet die eigene Armee zwischen Häuserruinen und Felsspalten einen Platz auf dem Spielfeld. Da es keine Kästchen und somit ohne weiteres keinen Anhaltspunkt gibt wie weit die einzelne Figur pro Runde voranschreiten darf, besitzt jede Figur einen individuellen Bewegungswert der in Zoll angegeben wird und schlichtweg mit Hilfe eines Messstabs abgemessen wird. Wenn sich die eigene Armee unmittelbar vor der des Mitspielers befindet, wird mit Hilfe von Würfeln ausgewertet welche Figur wieviel Schaden anrichtet und wieviel Schaden abgewehrt werden kann. So kann es schnell mal passieren, dass pro Figur pro Zug bis zu sechs mal gewürfelt werden muss. Demnach ist das Spiel auch eher langwierig. Je nach Figuren auf dem Feld kann ein Spiel mit 2 Spieler*innen schonmal zwischen 1 1/2 und 3 Stunden dauern. Als das erste Warhammer Spiel vor rund 30 Jahren auf den Markt kam, war die Auswahl und das Design der Figuren noch recht rudimentär. Inzwischen gibt es verschiedenste Völker, deren einzelnen Figuren mit kleinsten Details perfektioniert werden. Auch die Designs der Figuren werden immer detailreicher und ausgefallener.

Geisterähnliche Miniaturen schweben über das Spielfeld | Foto von Wolf Sondermann

Thomas fasziniert an diesem Genre insbesondere die zwischenmenschliche Komponente. Statt in den eigenen vier Wänden an der Konsole zu sitzen, trifft man sich gemeinsam um zu spielen. Alternativ treffen sich begeisterte Spieler*innen um in Gesellschaft Figuren zusammenzubauen, anzumalen, neue Designs zu präsentieren und über das gemeinsame Hobby zu quatschen. Jede*r Interessierte spielt das Spiel nach den individuellen Präferenzen. Das Hobby bekommt durch die eigenen Interessen eine ganz eigene Note. Dadurch begegnen sich Menschen an ihren kleinstem gemeinsameren Nenner – der Art und Weise wie sie ihre Freie Zeit gestalten.

Aber das Geschäft ist nicht bloß ein Verkaufs- und Präsentationsraum. In der Mitte des Ladens reihen sich zwei riesige, liebevoll gestaltete Schlachtfelder aneinander. Immer wieder treffen sich insbesondere jüngere Spieler*innen im Laden um ihre Figurensammlungen gegeneinander antreten zu lassen. In einer Ecke des Ladens gibt es außerdem eine kleine Bastelstation, hier können sich einzelne Spieler*innen begegnen, gemeinsam die neusten Errungenschaften zusammenbauen und mit Pinsel und Fingerspitzengefühl veredeln. Außerdem bemüht sich das Team rund um Thomas darum, immer wieder Veranstaltungen im Geschäft anzubieten. Neben Workshops für Neueinsteiger*innen werden auch kleinere Turniere ausgerichtet. Je nach gespielten Spiel, treffen sich dann 16-20 Spieler*innen im Laden um gegeneinander anzutreten. Man lernt sich kennen, verabredet sich für zukünftige Mal- und Spielsessions und erfreut sich dem eigenen Hobby. Thomas ist zwar kein Turnierspieler, freut sich aber wenn Menschen im Laden die Möglichkeit bekommen Teil eines Turniers zu werden.

Liebevoll gestaltete Spielfelder bilden das Herz des Ladens | Foto von Wolf Sondermann

Der Siebenunddreißigjährige begeistert sich bereits seit über 25 Jahren für die Warhammer Spiele. Damals war die Spieleindustrie noch von Grund auf anders aufgebaut als sie es heute ist. Computer waren in ihrer damaligen Form nur in Ausnahmefällen dazu bereit Spiele zu programmieren und anschließen zu spielen. Schaltete man den Rechner aus, speicherte man das Spiel auf Disketten. In Zeiten in denen Terrabytes und Internetzugang keine Seltenheit mehr sind kaum vorstellbar. Gesellschaftsspiele wurden durch Computerspiele im weitesten Sinne abgelöst. Die Computerspielindustrie wächst und wächst und ist bereits am heutigen Tage in Deutschland eine Industrie die Milliarden generiert. Schnelllebig werden Jahr für Jahr neue Blockbuster produziert, die die Rahmenpunkte der Spieleindustrie neu setzen. Zwischen immer neuen Rechenleistungen und verbesserter Grafik bleibt nur eines gleich – die Spieldynamik.

Wie schafft man es in der heutigen Zeit noch Menschen für Spiele wie „Warhammer“ zu gewinnen, bei denen physischer Kontakt mit Mitmenschen unerlässlich ist? Und wie findet man sich anfänglich im neuen Hobby zu recht?
Thomas antwortet darauf lächelnd mit: „Zurücklehnen und entspannen!“.
Tabletop Spiele sind ein Hobby das viel Zeit frisst. Leidenschaftlich Interessierte und Neuanfänger*innen suchen sich ihre Zeit und kombinieren oftmals Freizeitaktivitäten mit dem Bemalen und Zusammenkleben der Figuren. Außerdem sollte man sich zu Anfang nicht von den Fähigkeiten der Profis unterbuttern lassen. Es wird schnell vergessen, dass Profis wie Dunkin, der selbst im Laden arbeitet und nahezu perfekte Designs auf Figuren überträgt, auch mal klein angefangen hat. Getreu dem Motto „Übung macht den Meister“ Spaß am Hobby haben und mit der Zeit und wachsenden Ansprüchen besser werden. 
Außerdem können sich Neueinsteiger*innen sehr gerne Tipps im Laden abholen, betont Thomas. Die Kosten für Einsteigersets mit dem problemlos mit zwei Personen gespielt werden kann, liegen bei rund 120 Euro. Das muss man sich zwar leisten können, durch Zwei geteilt liegt man allerdings bereits unter dem gängigen Preis für neu erschienene Computerspiele, die in der Regel nach einem Jahr wieder neu aufgelegt werden.

Die Space Marines schlagen zurück! | Foto von Wolf Sondermann

Nachdem Ich das Interview beendet habe, fragt Wolf aus einer anderen Ecke des Ladens die berüchtigte Frage aller Fragen: „Wenn das Quartier ein Tier wäre, welches wäre es dann?“. Es stellt sich heraus, dass Thomas obwohl er am Rande des Quartiers arbeitet, nur selten im Quartier unterwegs ist. Nach einer kurzen Pause antwortet er deshalb: „Ein Einhorn, weil ich es noch nicht kenne und noch nie gesehen habe.“. Wir ermutigen Thomas, das in Zukunft unbedingt zu ändern. Vielleicht schafft es die baldige Fahrradstraße Friedrichstraße wiederum mehr Laufkundschaft in Thomas Welt zu locken. Eine Bereicherung wäre es ohnehin! Nachdem wir uns verabschiedet und den Laden verlassen haben blicken wir auf den Termin zurück. Wie schön, dass solch eine kleine Welt ein Teil des Quartiers ist. Auf weiteres Entdecken vieler kleiner Parallelwelten innerhalb des Quartiers!


Falls du nun unbedingt in Thomas Tabletop Welt, voller Fantasiefiguren und echtem menschlichem Kontakt, eintauchen möchtest, findest du hier die Facebook Seite des Ladens in der Friedrichstraße. Interessierte sind dazu angehalten während der Öffnungszeiten vorbeizukommen, Fragen zu stellen und Teil der Community zu werden.

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