DIAKONIEKIRCHE | NEUES ZUHAUSE FÜR BECK UND CONSORTEN

Die Diakoniekirche hat in den letzten Jahrzehnten einige Umbrüche erlebt. Die 1850 als Kreuzkirche eingeweihte Kirche in der Friedrichstraße wurde im Volksmund auch „Hippenkirche“ genannt – Hippe, entweder in Anlehnung an die Anhöhe oder bezogen auf die damals noch rund um den Bau grasenden Ziegen. Heute grasen dort weder Ziegen noch werden hier Gottesdienste abgehalten, denn seit 2006 ist die Kirche entweiht. Weil im nahen Umkreis genug Orte für Gottesdienste vorhanden waren, ging die Kirche samt Pfarrhaus an die Diakonie Wuppertal über, die sie für andere Zwecke nutzen wollte. Es entstand ein Ort der Begegnung in der Nordstadt. Für die Diakonie war das Gebäude auf Dauer jedoch nicht tragbar. Die Einrichtung eines Sozialkaufhauses war von vornherein nur als Zwischenlösung gedacht und auch sonst gab es keine Ideen für eine sinnvolle und finanziell tragbare Nutzung. 2023 gab die Diakonie bekannt, das Gebäude verkaufen zu wollen.

In dieser Phase wurde Joachim Beck auf das Gebäude aufmerksam. Mit seinem Unternehmen „Beck und Consorten“ sitzt er seit vielen Jahren im Kolkmannhaus in der Hofaue. Lange Zeit waren die an der Talsohle gelegenen Räume ausreichend. In den letzten Jahren kam es jedoch mehrfach zu Schäden durch Hochwasser, und auch die sanitären Anlagen sind mittlerweile nicht mehr ausreichend. Deswegen stand ein Umzug in ein geeigneteres Gebäude im Raum: „Es gab zum Beispiel die Überlegung, zusammen mit den Utopisten zu prüfen, ob nicht die Scheerhalle auch geeignet wäre. Das hat sich dann aber nicht realisieren lassen. Und dann habe ich irgendwann in der Zeitung gelesen, dass die Kirche hier von der Diakonie abgegeben werden soll.“ Beck wird neugierig.

Er erkundigt sich, welche Verfahren notwendig wären und ob Aussicht auf eine Genehmigung bestünde. Es entsteht der Eindruck, dass dieser Ort das neue Zuhause des Unternehmens werden könnte. Die Idee: ein Glaskubus über zwei Etagen innerhalb des Kirchenraums, mit Schiebetüren, um im Winter die Kälte draußen zu halten und bei angenehmen Temperaturen auch die Bereiche drumherum nutzen zu können. Das gesamte Gebäude zu beheizen, kommt nicht infrage. Ein geschlossener Raum im Raum erscheint hingegen realistisch. Der untere Bereich soll als Seminarraum dienen, der obere zur Bürofläche werden. Um den Kubus herum soll die Kirchenoptik erhalten bleiben. Beck ist der respektvolle Umgang mit den religiösen Objekten wichtig, wie etwa mit dem großen Kreuz, das hinter dem Altar angebracht ist. „Das gehört weiterhin der Diakonie und wir haben uns darauf geeinigt, dass es hängen bleibt.“

Was ihn – abgesehen vom besonderen Raum – am Gebäude reizte, ist die Lage: „Wenn man vom Karlsplatz hier hochguckt, dann schaut man zukünftig in unser Büro hinein. Da haben wir alle gesagt: Das wird wirklich das Zuhause für unsere Firma. Das ist schon etwas, was uns auch antreibt.“ Denn rein betriebswirtschaftlich gäbe es deutlich kostengünstigere und auch einfacher umsetzbare Lösungen. Denn was in der Kreuzkirche entstehen soll, ist weit entfernt von einer „0815-Standardlösung“. Einen Entwurf zu entwickeln sei nicht das Problem, aber der Bau, da ist sich Beck sicher, wird eine Herausforderung. Welches Material, welche Firmen wollen das machen, wer traut sich das zu?

Bis der Bau wirklich beginnen kann, wird es auf jeden Fall noch dauern – wie lange ist noch offen. Denn die Genehmigung für die Umnutzung zu bekommen, ist aufwändig. Ein komplexes Verfahren mit vielen Beteiligten. Außerdem müssen viele Fragen mit dem Denkmalschutz geklärt werden. Aber der Entschluss, ins Gebäude zu ziehen, steht fest: „Das ist wahrscheinlich so ein Projekt, bei dem man hinterher sagt, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich es vielleicht nicht gemacht. Aber das Risiko gehen wir jetzt einfach ein.“

Fotos von Kevin Bertelt
Text von Tiziana Schönneis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert