Vorweg ein Geständnis: Ich lebe seit 2021 in Wuppertal und habe es bis 2026 noch nicht geschafft, am SupaGolf teilzunehmen. Sacre bleu, wird nun so manche:r sagen und deshalb direkt einmal die Entschuldigung, dass ich nunmal Neuling bin und daher keinerlei Vergleiche zu den vorherigen 15 SupaGolf-Ausgaben ziehen kann.

So viel kann ich jedenfalls schon bei der Einführung an der Rezeption durch die Erfinder Didi Kulessa (oder auch Special Agent DDQ Lessa) und Knut Heimann (alias SupaKnut) feststellen: Beim SupaGolf geht es um Supalative und vor allem supa viel Spaß. Es gibt das „ausgesprochen formschöne Randsportenartenbegleitheft“ oder auch den „Supa Golfing Guide“, erstellt von Jacky und versehen mit Grußworten, AGBs „oder schnöde gesagt Regeln“, ein Lageplan und vor allem eine Wertungstabelle. Repetitiv, aber dennoch mit viel Humor werden die Anfangsworte routiniert bei jeder neuen Gästegruppe vorgetragen. „Das hat sich so über Jahre entwickelt“, raunt Jacky mit Augenzwinkern von der Seite. Genauso wie die Bahnen, an denen Supaknut und Sp.Ag. DDQ Lessa gemeinsam mit Eilike Schlenkhoff im Vorfeld tüfteln. Ideen gibt es immer viele, die wenigsten scheint das Trio aber aufzuschreiben. „Meistens bauen wir schon ohne einen Plan zu haben“, verraten sie mit leisem Kichern. Dabei können sie nicht nur auf viele Jahre Erfahrung zurückgreifen, das Thema Re- und Up-Cycling zieht sich wie ein roter Faden durch. Deshalb werden auch alte Bahnen gerne wieder ausgekramt. „Einige Sachen haben einfach nicht so gut funktioniert und manchmal braucht es nur kleine Verbesserungen“, meint SupaKnut.


Den Guide jedenfalls gilt es zu beachten, denn egal ob alte, überarbeitete oder neue Bahn: Ganz so selbsterklärend ist SupaGolf nicht immer, fast jede Bahn hat einige Spezial-Regeln und wenn nicht das, dann doch zumindest ein paar Wortwitze. Daher ergab sich ein besonders schönes Bild, als sich drei Utopisten an Bahn 1 in einer Reihe aufstellten und synchron und beinahe andächtig durch ihr jeweiliges Heft blätterten, bevor sie sich daran machten, den 18 Bahnen umfassenden Parcours zu bewältigen.

Nun ist es in diesem Jahr so, dass die Schwebebahn, dieses Transportmittel, für das Wuppertal – natürlich neben der Randsportart SupaGolf – weltbekannt ist, 2026 ihren 125. Geburtstag feiert. Deswegen dreht sich ja eh vieles um dieses Wahrzeichen und der SupaGolf oder eigentlich vielmehr der SupaSchwebeGolf macht da keine Ausnahme. Für das Team um SupaKnut ist das ein gefundenes Fressen, das genüsslichst zelebriert wird: Schließlich spielt man SupaGolf auf Bahnen und die SchwebeBahn passt da natürlich wie die Faust aufs Auge. Bimmelbahn, Eisenbahn, Schwebebahnbahn, nicht zu verwechseln mit der Schwebebahnenbahn – ihr erkennt das Muster. Einige kommen ohne Zug-Thema aus, aber bei der Bahnane und der Sechszehenbahn (passend zum 16. Geburtstag) ist der Name eben auch Programm.

Nun wäre es langweilig, die einzelnen Bahnen zu sezieren oder vorzustellen, wenn andere Leute sich diese Arbeit schon gemacht haben und es am kommenden Wochenende noch ein letztes Mal in diesem Jahr die Gelegenheit gibt, selbst mit dem Hockeyschläger zu versuchen, das Runde ins Runde zu bringen.


Was ich aber erzählen kann: Ich habe viel gelacht, aber auch viel geflucht. Meistens dann, wenn es bei mir so gar nicht funktioniert hat und der Fotograf es im ersten Versuch geschafft hat, ein Hindernis zu überwinden. Immerhin beruhigend nach x-Fehlschlägen meinerseits: „Über Bahn 13 beschweren sich schon viele Leute“, wie SupaKnut mitteilt. DDQ Lessa ergänzt: „Dafür ist sie aber auch sehr sehr schön. Und wir sind eben nicht nur ein Randsportartenevent, sondern eben auch ein Kunst-Event. Da sind manche Bahnen halt auch mal eher schwierig.“
Wie sie selbst so spielen? „Eher mies“, sagt SupaKnut und lacht herzlich. Das Bauen und Reparieren liege ihnen dann doch eher im Blut. Dafür muss auch einiges eingekauft werden. „Eigentlich vor allem Dachlatten und Schrauben. Das kaufen wir wirklich ständig“, erzählt DDQ Lessa. Bei allem im Vordergrund steht dennoch der Recycling-Gedanke. „Aus einer Dachlatte, die wir in den vergangenen Jahren für eine Bahn gebraucht hatten, werden dann ganz schnell fünf kleine Stückchen, um einen Zielkreis zu stabilisieren zum Beispiel.“
Eintritt kostet SupaGolf übrigens nicht. Dafür darf gerne gespendet werden. „Wenns nicht gefallen hat gerne auch ein bisschen mehr, damit wir es im nächsten Jahr besser machen können“, wie SupaKnut an der Rezeption bei der Ausgabe oder Rückgabe der Hockeyschläger scherzt. Daneben kann man auch SupaGolf-Merchandise kaufen.

SupaGolf ist für alle Altersklassen: Kleine Kinder wuseln mit Schlägern umher, Teenies und Eltern, Paare, Freund:innen-Gruppen und Senior:innen sind alle gleichermaßen dabei zu beobachten wie sie mal verbissener, mal eher aus Spaß an der Freude mit ihren Schlägern, Golfbällen und Begleitheftchen von der Hebebühne aus über den Utopiastadt-Campus schlendern. Warten gehört da auch dazu, aber dafür gibt es direkt auf dem Gelände Kalt- und Warmgetränke beim Hutmacher und auch Essen, entweder vom Foodtruck oder bei Schmackes.


Was alle eint: Am Ende liegt schon ein sehr zufriedenes Lächeln und kleines Strahlen in den Augen. „Das war wieder supa!“; „Richtig tolle Arbeit!“ zeigen sich fast alle dankbar für diese Tradition im August/September. „Bis nächstes Jahr“, bleibt da nur zu sagen.
Text: Julia Nemesheimer (@fraeulein_Rabenschwarz)
Fotos: Kevin Bertelt (@Kevin_Bertelt)
