Ideen aus dem Quartier | Bürger*innen Budget 2025

210.000 Euro, über die alle Wuppertaler*innen gemeinsam entscheiden können – das ist die Idee des Bürgerinnen-Budgets. Abgestimmt wird über Projekte, die von allen Menschen, die hier leben, vorgeschlagen werden können. Auch aus dem Mirker Quartier kamen Vorschläge, wie das Geld für das Gemeinwohl eingesetzt werden kann. Um es bis in die finale Auswahl zu schaffen muss jedes Projekt mehrere Stufen durchlaufen: Nach einer ersten Abstimmungsrunde im April und Mai folgte der Gemeinwohlcheck. Dabei bewerteten 200 Wuppertalerinnen, welche Ideen den größten Nutzen für alle bringen könnten. Diese zwei Ideen aus dem Quartier haben es unter die letzten 36 geschafft: der „Soulspace“ und „LiC – Literatur im Container“. Sie hatten bei der Wahlparty am 27. August die Gelegenheit, ihre Projekte in jeweils einer Minute zu präsentieren und so auf sich aufmerksam zu machen. Seitdem läuft die letzte Wahlrunde.

LiC – Literatur im Container

Literatur von marginalisierten Gruppen sucht man in herkömmlichen Buchhandlungen oft erfolglos. Im Literatur-Container soll genau diese Sparte im Mittelpunkt stehen. „Vor allen Dingen von migrantisch gelesenen Personen und queere Literatur“, erklärt Ideengeberin Meieli Borowsky-Islam. Dazu zählt für sie auch eine Auswahl an Kinderliteratur, in der sich alle wiederfinden können.In einem umgebauten Container soll auf dem Campus von Utopiastadt eine Einrichtung entstehen, die diese Literatur präsentiert und allen zugänglich macht. „Bücher zu kaufen ist mittlerweile ein Luxusgut“, so Borowsky-Islam. Deswegen soll es in dem Container nicht nur Bücher zum Verkauf, sondern auch ein Abo-Modell geben. „Die Menschen können sich dann eine gewisse Anzahl an Büchern pro Monat ausleihen und damit die Finanzierung zur Erweiterung der Auswahl perspektivisch sichern.“ Wer kann und mag, kann seinen Beitrag freiwillig erhöhren und  anderen damit den Zugang zu den Leih-Büchern mitfinanzieren. Daneben plant die Initiatorin dort auch Workshops, Diskussionsrunden und quartalsweise Lesungen: „Am liebsten mit Autor*innen, die vielleicht gerade frisch publiziert haben und im besten Fall noch aus der Gegend kommen.“ Sie will eine lebendige Community rund um diverse und empowernde Literatur schaffen und ist überzeugt, dass diese Idee im Quartier genau richtig platziert wäre.

Soulspace

Auf die Idee für den Soulspace kam Initiatorin Jana Kortwig durch ihre Arbeit als Schulsozialarbeiterin. Sie will neben Schule und Elternhaus einen sicheren Ort schaffen, an den Jugendliche sich wenden können. „Es kaum frei zugängliche Unterstützungsangebote zwischen einer Therapie und dem Aufkommen eines größeren Problems. Das Thema mentale Gesundheit bei Jugendlichen gewinnt immer zwar an Präsenz, doch in der Praxis bekommen viele trotzdem nicht rechtzeitig die Hilfe, die sie brauchen“, beschreibt sie Erfahrungen. Diese Lücke möchte sie schließen. Jugendliche sollen niederschwellig eine Anlaufstelle haben, die für sie da ist: „Da ist jemand, mit dem sie sofort wenigstens fünf Minuten sprechen können. Und wenn es nur das Gefühl ist: Ich werde gesehen, darf durchatmen und bin nicht allein – das kann schon viel Entlastung bringen.“

Kortwig geht es darum, präventiv da zu sein und frühzeitig Unterstützung zu bieten. Das Angebot soll bestehende Strukturen nicht ersetze, sondern ergänzen und ein Sicherheitsnetz bilden. Rund zehn Akteur*innen aus verschiedenen aus Bereichen hat sie bereits für die Mitarbeit gewonnen. Durch Angebote, an denen die Jugendlichen teilnehmen können, wollen sie gemeinsam deren mentale Gesundheit fördern.

Je nach benötigter Summe können etwa fünf bis sieben Projekte mit dem Geld gefördert werden. Es ist also möglich, dass beide Projekte aus dem Quartier durch das Bürger*innenbudget realisiert werden können. Bis zum 18. September kann noch online unter talbeteiligung.de abgestimmt werden. Insgesamt dürfen fünf Stimmen an fünf verschiedene Projekte vergeben werden. Dort finden sich auch alle Projektbeschreibungen zum Nachlesen. Ende September werden dann die Gewinner*innen bekanntgegeben.

Fotos von Judith Kolodziej (@siebterfebruar)
Text von Tiziana Schönneis (@tilausch)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.