Talbohne | die Kaffeemanufaktur im Quartier

Die kleinen braunen Bohnen werden immer berühmter. Viele treffen sich gerne bei einer Tasse um ins Gespräch zu kommen, manche brauchen ihn um aufzustehen und andere genießen ihn zum Dessert – die Rede ist von Kaffee. Kein Wunder das sich auch in der Talstadt immer mehr um die Bohnen dreht. Neben zahlreichen Cafés öffnen immer mehr Röstereien im Stadtgebiet. Jetzt auch im Quartier!
Vor zweieinhalb Wochen eröffneten zwei Wuppertaler*innen ihren ganz eigenen Raum, den sie fortan den kleinen schwarzen Bohnen widmen – die Kaffeemanufaktur »Talbohne«. In zwei 40ft Container auf der Utopiastadt Campus Raumstation wird in Zukunft frischer Kaffee geröstet, zubereitet und an Kund*innen verkauft. Die Neueröffnung nahmen Wolf und Ich zum Anlass uns mit Yvonne und Sebastian, Initator*innen von »Talbohne«, bei einer Tasse Espresso zu treffen und mit ihnen über ihr Konzept, ihre Idee und Beweggründe zu sprechen.

(v.l.) Sebastian und Yvonne | Foto von Wolf Sondermann

Nach knapp drei Jahren des Großdenkens, der Konzeption und Umsetzung in Eigenarbeit eröffnete vor zweieinhalb Wochen die Kaffeemanufaktur »Talbohne« auf der Utopiastadt Campus Raumstation an der Nordbahntrasse. Doch wie kam es dazu und welche Hürden überwandten sie vor der Eröffnung?
Sebastian hatte schon immer Freude an Kaffee. Doch als er vor drei Jahren den Vizemeister im Kaffeerösten (ja es gibt tatsächlich eine Meisterschaft im Kaffeerösten!) kennenlernte, entfachte das eine Leidenschaft in ihm. Gemeinsam mit Yvonne entschlossen sie sich dazu ihre neu entfachte Leidenschaft in eine Geschäftsidee umzuwandeln. Nach langwieriger Suche und Abwägung des Standorts fiel die Wahl, statt auf ein Ladengeschäft in der Wuppertaler Innenstadt, auf den Standort »Utopiastadt« an der Nordbahntrasse. Laut eigener Aussage von Yvonne und Sebastian war diese Entscheidung reine Herzensangelegenheit, denn das Konzept der »Talbohne« könnte an keinen anderen Ort besser passen. Nach der Klärung der Bedingungen und der Möglichkeiten erwerben sie zwei 40ft Container die fortan Teil der Utopiastadt Campus Raumstation (USCRS) werden. In drei Monaten der aufwändigen Eigenarbeit bauen sie diese selbst aus und um und schaffen damit den Standort »Talbohne«. Yvonne betont, dass sie sich seit jeher gut aufgehoben fühlen und die tolle Nachbarschaft und der besondere Zusammenhalt ihr sehr gefällt.
Aber warum genau an diesem Ort? Yvonne und Sebastian gefällt das Konzept von Utopiastadt durch gemeinsame Kräfte einen Mehrwert für die Gemeinschaft zu erschaffen.  Natürlich wäre es leichter gewesen bereits renovierte Räumlichkeiten anzumieten, statt über ein halbes Jahr zwei 40 Fuß Container in Eigenarbeit auszubauen. Die Zwei suchen laut eigener Aussage allerdings das Besondere und Eigene und finden in dem Konzept der Utopiastadt Campus Raumstation ihre Idee wieder.

Die Manufaktur von innen | Foto von Wolf Sondermann

»Talbohne« steht für ein neuartiges Konzept, dass sich irgendwo zwischen Kaffeerösterei, Café und Conceptstore einordnen lässt. Hier wird allerdings kein seelenloser Lifestyle dargeboten. Stattdessen legen Yvonne und Sebastian besonderen Wert auf die Art und Weise wie sie dieses Konzept leben und gestalten. Dabei fokussieren sie sich auf fairen Handel und ein durch und durch nachhaltiges Konzept mit Ambitionen zu einer No-Waste Philosophie.
Sebastian verarbeitet deswegen nur fair gehandelte Kaffeebohnen die ohne Zwischenhändler*in direkt von den Kleinbäuer*innen erworben werden. Darin wird mit eingeschlossen, dass die Gelder für den Erwerb der Bohnen nicht nur an die Besitzer*innen der Anbaugebiete fließen, sondern ebenso an die Menschen die diese bestellen, versorgen und ernten. Außerdem werden direkt die Erzeugnisse ganzer Felder abgekauft, sodass die Existenzen der beteiligten Bäuer*innen garantiert gesichert sind. Aber auch in Sachen Nachhaltigkeit geht das Konzept Talbohne mit großen Schritten voran. Die von Ligarti designten Verpackungen bestehen zu 100% aus recyclebarem Rohstoffen und auch der Kaffeesatz wird nicht einfach in den Müll geschmissen. Stattdessen wird er entweder an die benachbarten Gärtner*innen des UtopiastadtGartens als Dünger oder an die Lebenshilfe weitergegeben. Letztere produziert aus den Kaffeeresten eine Kaffeeseife die z.B. im Conceptstore erworben werden kann. Des Weiteren produziert Yvonne aus den Kaffeesäcken, in denen die Bohnen geliefert werden, verschiedene Unikate, die im Conceptstore erwerben werden können – von Schlüsselanhängern bis hin zu Beuteln. Ganz im Sinne des Zusammenhalts und der lokalen Vernetzung streben Yvonne und Sebastian die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Wuppertaler Akteur*innen an. Bisher arbeiten sie bereits mit der Lebenshilfe Wuppertal und Remscheid, der Tiermanufaktur Ligarti und einigen Cafés zusammen.
Doch all diese Ambitionen können ohne ein durchsichtiges Geschäftsmodell keinen Vorbildcharakter mit sich tragen. Deswegen legen Yvonne und Sebastian wert darauf möglichst nachvollziehbar mit ihrer Lebens- und Produktionsweise umzugehen und freuen sich immer über interessierte Gespräche mit Kund*innen.

Ausblicke hinter der Theke | Foto von Wolf Sondermann

Sebastian liebt Kaffeebohnen und im Gespräch stellt sich heraus, dass das Kaffeerösten eine Philosophie für sich darstellt. Kaffee besitzt circa 1000 verschiedenen Aromen die durch unterschiedliche Handhabungen aus der Bohne herausgearbeitet werden können (im Vergleich: Wein hat ca. 600 Aromen). Dabei spielen verschiedenste Parameter wie z.B. die Sorte der Bohne, das Wetter in dem die Bohne reifte, Hitze unter der sie verarbeitet wird, Dauer der Hitzezufuhr und und und eine Rolle. Deswegen ist es nicht einfach eine reproduzierbare Kaffeevariation herzustellen. Gleichzeitig eröffnet diese Vielzahl an Variationen ebenso einen enormen Raum in dem experimentiert und neue Kreationen zusammengestellt werden können. Bis dato ist der Röster allerdings noch nicht an seinem endgültigen Standort im Container angekommen – dies wird voraussichtlich auch erst Anfang Dezember so weit sein. Bis dahin röstet Sebastian bei einem Freund in Hamburg und bringt die fertigen Bohnen in die Talstadt.

Neben den eigens produzierten Produkten aus Kaffeebohnen und deren Verpackung bietet »Talbohne« außerdem Raum für die Produkte weiterer nachhaltiger Wuppertaler Labels. Außerhalb der Öffnungszeiten des Hutmachers bereitet Yvonne die selbst produzierten Bohnen auch in Kaffeespezialitäten zu. Während der Öffnung des Hutmacher können Kund*innen die Kaffeevariationen der Talbohne direkt in der ehemaligen Bahnhofsschalterhalle genießen. Das Ganze stellt keine Konkurrenz dar, sondern vielmehr eine Kooperation, die es dem*der Endkund*in ermöglicht auch außerhalb der Öffnungszeiten des Hutmachers in den Genuss guten Kaffees auf der Nordbahntrasse zu gelangen. Sprich auf deinem Weg zur Arbeit kannst du nun ganz unkompliziert leckeren, fair-produzierten und nachhaltigen Kaffee genießen – das schmeckt!

die Kaffeebohnenkreationen Johannes, Pina und Else | Foto von Wolf Sondermann

Nach unserem Treffen können wir ganz ehrlich sagen: »Talbohne« ist Quartier:Mirke approved!
Nicht nur im Sinne der einzigartigen Kaffeekreationen stellt »Talbohne« einen Zugewinn für das Quartier dar. Auch als aufstrebender Einzelhandel bereichert die Manufaktur das Quartier und stellt erneut heraus wie vielfältig und interessant das Quartier ist und wird. Wenn ihr auch mal in den Genuss der Kaffeevariationen der Talbohne geraten wollte, dann schaut doch einfach bei Sebastian und Yvonne vorbei. Die knallig bemalten Container sind bereits aus der Ferne gut zu erkennen. Außerdem würden wir herzlichst empfehlen den beiden auf den gängigen Social Media Accounts [Facebook|Instagram] zu folgen und die Homepage zu besuchen, um ständig auf dem Laufenden zu bleiben!

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